Krampfanfall –
Fieberkrampf und Affektkrampf bei Säuglingen und Kindern
Warum Krampfanfälle entstehen
Ein Krampfanfall gehört zu den beängstigendsten Notfällen im Kindesalter. Obwohl er dramatisch aussieht, verläuft insbesondere der einfache Fieberkrampf in den meisten Fällen harmlos und hinterlässt keine bleibenden Schäden.
Ein Fieberkrampf tritt meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Geburtstag auf und wird durch einen raschen Anstieg der Körpertemperatur ausgelöst. Er ist keine Form der Epilepsie.
Ein Affektkrampf entsteht dagegen nach starkem Schmerz, Ärger, Frustration oder Erschrecken. Das Kind hält beim Ausatmen unwillkürlich die Luft an, wodurch es kurzzeitig bewusstlos werden und gelegentlich auch kurz zucken kann. Auch Affektkrämpfe sind in der Regel harmlos.
Symptome richtig erkennen
Bei einem Fieberkrampf verliert dein Kind plötzlich das Bewusstsein. Arme und Beine können rhythmisch zucken oder der Körper wird steif. Die Augen verdrehen sich häufig, manchmal laufen die Lippen leicht bläulich an. Der Anfall dauert meist nur Sekunden bis wenige Minuten. Anschließend ist dein Kind häufig schläfrig oder erschöpft.
Ein Affektkrampf beginnt meist nach heftigem Weinen. Dein Kind hält plötzlich die Luft an, wird blass oder bläulich im Gesicht und verliert kurz das Bewusstsein. Manchmal versteift sich der Körper oder es treten kurze Zuckungen auf. Nach wenigen Sekunden bis höchstens einer Minute atmet dein Kind wieder normal und erholt sich rasch.
Erste Hilfe
Bleibe ruhig und schütze dein Kind vor Verletzungen.
Lege dein Kind auf den Boden oder eine andere sichere Unterlage und entferne harte oder spitze Gegenstände aus der Umgebung.
Halte dein Kind während des Krampfes nicht fest und stecke ihm niemals etwas zwischen die Zähne oder in den Mund. Es besteht Verletzungs- und Erstickungsgefahr.
Lockere einengende Kleidung am Hals und beobachte Atmung und Hautfarbe. Schaue möglichst auf die Uhr und merke dir die Dauer des Anfalls, da diese Information für die behandelnden Ärzte sehr wichtig ist.
Bleibe die ganze Zeit bei deinem Kind. Drehe das Kind bei Erbrechen auf die Seite. Prüfe nach dem Krampf die Atmung. Regulär ist sie normal oder normalisiert sich schnell. Bringe das Kind dann in die stabile Seitenlage. Sprich ruhig mit deinem Kind und lasse es sich in seinem eigenen Tempo erholen.
Hat dein Kind wegen wiederkehrender Fieberkrämpfe ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament (z. B. Midazolam oder Diazepam), verabreiche es genau nach dem individuellen Notfallplan.
Fiebersenkende Medikamente können das Wohlbefinden verbessern, verhindern einen Fieberkrampf jedoch nicht zuverlässig.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
Nach jedem ersten Fieberkrampf oder Affektkrampf sollte dein Kind ärztlich untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.
Auch wenn sich dein Kind nach einem bekannten kurzen Fieberkrampf oder Affektkrampf vollständig erholt, sollte der Kinderarzt informiert werden. Wiederkehrende Fieberkrämpfe oder ungewöhnliche Anfälle sollten kinderneurologisch abgeklärt werden.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn es der erste Krampfanfall deines Kindes ist oder der Anfall länger als fünf Minuten dauert.
Auch mehrere Krampfanfälle hintereinander, ein erneuter Krampfanfall ohne vollständige Erholung, anhaltende Atemprobleme, eine bläuliche Hautfarbe, fehlendes Erwachen nach dem Krampfanfall oder Bewusstseinsstörungen sind Notfälle.
Alarmiere den Rettungsdienst außerdem, wenn dein Kind jünger als sechs Monate oder älter als fünf Jahre ist und erstmals einen Fieberkrampf entwickelt oder wenn der Krampfanfall nach einer Kopfverletzung auftritt.
Atmet dein Kind nach dem Krampfanfall nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und folge den Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Fieberkrämpfen und Affektkrämpfen vorbeugen
Fieberkrämpfe lassen sich durch fiebersenkende Medikamente leider nicht sicher verhindern. Wichtig ist, dass du dein fieberndes Kind gut beobachtest und ihm ausreichend Flüssigkeit anbietest.
Bei Affektkrämpfen hilft es, selbst ruhig zu bleiben und dein Kind nach dem Anfall liebevoll zu beruhigen. Die meisten Kinder wachsen mit zunehmender Reifung des Nervensystems aus Fieber- und Affektkrämpfen vollständig heraus