Augenverletzungen bei Erwachsenen
Wenn das Auge verletzt wird
Augenverletzungen gehören zu den Notfällen, bei denen schnelles und richtiges Handeln besonders wichtig ist. Sie können im Haushalt, beim Sport, im Straßenverkehr oder bei der Arbeit entstehen – beispielsweise durch Metall- oder Holzsplitter, Chemikalien, Funkenflug, Werkzeuge oder starke Gewalteinwirkung.
Schon kleine Verletzungen können das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen. Deshalb sollte jede Augenverletzung ernst genommen und frühzeitig ärztlich untersucht werden.
Was passiert im Körper?
Das Auge ist ein sehr empfindliches Sinnesorgan. Bereits kleine Verletzungen der Hornhaut oder Bindehaut können starke Schmerzen verursachen. Dringen Fremdkörper tiefer ein oder werden Linse, Netzhaut oder der Augapfel verletzt, kann das Sehvermögen dauerhaft geschädigt werden.
Verätzungen durch Säuren oder Laugen stellen einen besonderen Notfall dar. Vor allem Laugen dringen tief in das Gewebe ein und können das Auge innerhalb kurzer Zeit schwer schädigen.
Häufige Ursachen
Augenverletzungen entstehen häufig durch:
- Metall-, Holz- oder Steinsplitter bei handwerklichen Arbeiten,
- Funken beim Schleifen, Flexen oder Schweißen,
- Chemikalien wie Säuren, Laugen oder Reinigungsmittel,
- Staub oder Sand,
- Äste oder Zweige,
- Sportverletzungen,
- Schläge oder Stöße gegen das Auge,
- Feuerwerkskörper,
- Verkehrs- oder Arbeitsunfälle.
Symptome
Je nach Verletzung können auftreten:
- starke Augenschmerzen,
- Fremdkörpergefühl,
- gerötetes Auge,
- Tränenfluss,
- Lichtempfindlichkeit,
- verschwommenes Sehen,
- Doppelbilder,
- Schwellung der Augenlider,
- Blutungen am oder im Auge,
- sichtbare Fremdkörper,
- eingeschränktes Sehvermögen.
Warnzeichen für eine schwere Augenverletzung sind:
- plötzlicher Sehverlust,
- starke Sehverschlechterung,
- sichtbare Verletzung des Augapfels,
- austretende Flüssigkeit aus dem Auge,
- Fremdkörper im Auge,
- (starke) Blutungen.
Erste Hilfe
- Bewahre Ruhe und beruhige die betroffene Person.
- Reibe das verletzte Auge nicht.
Fremdkörper im Auge
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- Kleine, lose Fremdkörper können manchmal durch häufiges Blinzeln oder vorsichtiges Spülen mit sauberem Wasser oder steriler Kochsalzlösung entfernt werden.
- Lässt sich der Fremdkörper nicht entfernen oder steckt er fest, sollte nicht weiter versucht werden, ihn herauszunehmen.
Fester Fremdkörper
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- Steckt ein Fremdkörper im Auge, darf er niemals entfernt werden.
- Stabilisiere größere Fremkörper möglichst mit einer lockeren sterilen Abdeckung und vermeide jede Bewegung des Auges. Decke nach Möglichkeit beide Augen locker ab, damit sich die Augen beide möglichst nicht viel bewegen.
Verätzung
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- Spüle das Auge sofort mit reichlich sauberem, handwarmem Wasser – idealerweise mindestens 15 bis 20 Minuten. Halte dabei die Augenlider weit geöffnet und spüle von der Nasenseite nach außen, damit das andere Auge möglichst nicht mit der Chemikalie in Kontakt kommt.
- Jede Sekunde zählt – beginne mit der Spülung sofort und warte nicht auf den Rettungsdienst.
Prellung oder Schlag auf das Auge
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- Kühle die Umgebung des Auges vorsichtig mit einem Kühlpack, das in ein Tuch gewickelt ist. Übe dabei keinen Druck auf den Augapfel aus.
Häufige Fehler
- Ein häufiger Fehler ist es, am Auge zu reiben oder einen festsitzenden Fremdkörper selbst entfernen zu wollen.
- Verwende keine Pinzetten oder Wattestäbchen im Auge.
- Bei einer Verätzung darf die Spülung nicht verzögert werden.
- Übe niemals Druck auf ein verletztes Auge aus.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn:
- eine Verätzung des Auges vorliegt,
- ein Fremdkörper im Auge steckt,
- das Sehvermögen plötzlich stark eingeschränkt ist oder verloren geht,
- der Augapfel sichtbar verletzt ist,
- Blut oder Flüssigkeit aus dem Auge austritt,
- schwere Gesichtsverletzungen oder weitere schwere Verletzungen vorliegen,
- die betroffene Person bewusstlos ist oder nicht normal atmet.
Wann sollte eine augenärztliche Untersuchung erfolgen?
Eine augenärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei:
- anhaltenden Schmerzen,
- Fremdkörpergefühl,
- verschwommenem Sehen,
- Lichtempfindlichkeit,
- gerötetem Auge nach einer Verletzung,
- jedem Arbeitsunfall mit Augenbeteiligung,
- jeder Augenverletzung durch Metall, Chemikalien oder starke Gewalteinwirkung.
Was passiert in der Augenklinik oder Praxis?
Das Auge wird gründlich untersucht und das Sehvermögen überprüft. Mithilfe einer Spaltlampe können selbst kleinste Verletzungen erkannt werden. Fremdkörper werden – sofern möglich – unter sterilen Bedingungen entfernt. Bei Hornhautverletzungen werden meist antibiotische Augensalben oder Augentropfen verordnet. Schwere Augenverletzungen oder Verletzungen des Augapfels müssen häufig operativ behandelt werden.
Besonderheit bei Arbeitsunfällen
Passiert die Augenverletzung während der Arbeit oder auf dem direkten Weg zur oder von der Arbeit, handelt es sich häufig um einen Arbeitsunfall. Dieser sollte dem Arbeitgeber gemeldet werden. Die weitere Behandlung erfolgt in Deutschland in der Regel durch eine Durchgangsärztin bzw. einen Durchgangsarzt (D-Arzt) oder eine entsprechend zuständige Augenklinik.
Merke
- Augenverletzungen können das Sehvermögen dauerhaft gefährden und sollten immer ernst genommen werden.
- Reibe niemals am verletzten Auge und entferne keine festsitzenden Fremdkörper.
- Bei einer Verätzung muss das Auge sofort 15 bis 20 Minuten mit Wasser gespült werden.
- Feste eingedrungene Fremdkörper dürfen nicht entfernt werden.
- Bei Sehverlust, Verätzungen oder schweren Augenverletzungen gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.