Unterkühlung

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Unterkühlung

Unterkühlung und Erfrierungen bei Erwachsenen

 

Wenn Kälte lebensgefährlich wird

Kälte kann den Körper auf unterschiedliche Weise schädigen. Während eine Unterkühlung (Hypothermie) den gesamten Körper betrifft, entstehen Erfrierungen an einzelnen Körperteilen wie Fingern, Zehen, Nase oder Ohren. Beide Verletzungen treten häufig gemeinsam auf – beispielsweise nach einem längeren Aufenthalt im Freien, einem Sturz in kaltes Wasser oder bei Berg- und Wintersportunfällen.

Eine leichte Unterkühlung oder oberflächliche Erfrierung heilt oft folgenlos aus. Eine schwere Unterkühlung kann jedoch zu Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Tiefe Erfrierungen können dauerhaftes Gewebe zerstören.

 

Was passiert im Körper?

Sinkt die Körpertemperatur, versucht der Körper zunächst, Wärme zu sparen. Die Blutgefäße in Armen und Beinen verengen sich, damit Herz, Gehirn und andere lebenswichtige Organe warm bleiben. Gleichzeitig beginnt die Muskulatur zu zittern, um zusätzliche Wärme zu erzeugen.

Hält die Kälteeinwirkung an, nimmt das Zittern ab oder hört ganz auf. Die Körperkerntemperatur sinkt weiter, das Gehirn arbeitet langsamer und Herz sowie Kreislauf werden zunehmend beeinträchtigt.

Durch die verminderte Durchblutung sind Finger, Zehen, Nase und Ohren besonders gefährdet. Dort können Eiskristalle entstehen und Blutgefäße sowie Gewebe geschädigt werden. Nach dem Wiedererwärmen entwickeln sich häufig Schwellungen und Blasen. Bei schweren Erfrierungen kann Gewebe dauerhaft absterben.

 

Häufige Ursachen

Unterkühlungen und Erfrierungen entstehen häufig durch:

  • längeren Aufenthalt bei Kälte,
  • nasse Kleidung,
  • Regen, Schnee oder kalten Wind,
  • Sturz in kaltes Wasser,
  • Berg- und Wintersportunfälle,
  • Arbeiten im Freien,
  • Alkohol oder Drogen (gesteigerte Wärmeabgabe)
  • Erschöpfung oder Verletzungen,
  • längeres regungsloses Liegen im Freien.

 

Symptome


Unterkühlung

Anfangs treten häufig auf:

  • starkes Zittern,
  • Frieren,
  • kalte, blasse Haut,
  • Müdigkeit,
  • verlangsamte Bewegungen,
  • Konzentrationsstörungen.

 

Bei fortschreitender Unterkühlung können auftreten:

  • Verwirrtheit,
  • Schläfrigkeit,
  • verwaschene Sprache,
  • langsame Atmung,
  • langsamer Puls,
  • Bewusstlosigkeit.


Erfrierungen

Typische Anzeichen sind:

  • blasse oder weißliche Haut,
  • Taubheitsgefühl,
  • Kribbeln,
  • harte oder wachsartige Haut,
  • Schmerzen beim Auftauen,
  • Blasenbildung,
  • blau-violette oder schwarze Hautverfärbungen.

 

Erste Hilfe

    • Bringe die betroffene Person möglichst vorsichtig aus der Kälte, dem Wind oder der Nässe.
    • Entferne nasse Kleidung, wenn dies ohne große Belastung möglich ist, und ersetze sie durch trockene Kleidung oder Decken.
    • Wickle die Person in warme Decken oder eine Rettungsdecke ein. Die silberne Seite der Rettungsdecke zeigt zum Körper, um die Wärmestrahlung möglichst gut zurückzuhalten. Decke auch den Kopf ab, das Gesicht bleibt frei.
    • Erwärme den Körper langsam und schonend. Direkte starke Hitze, beispielsweise durch Heizlüfter, Heizkissen, heiße Wärmflaschen oder sehr heißes Wasser, sollte vermieden werden.
    • Ist die Person vollständig wach und kann sicher schlucken, darf sie warme, zuckerhaltige Getränke in kleinen Schlucken trinken. Alkohol ist ungeeignet.
    • Bei Erfrierungen gilt: Reibe die betroffenen Körperstellen niemals. Sind sie nur leicht betroffen und ein erneutes Einfrieren sicher ausgeschlossen, können sie langsam in 37–39 °C warmem Wasser wiedererwärmt werden. Anschließend sollten die betroffenen Stellen locker und steril abgedeckt werden. Blasen dürfen nicht geöffnet werden.
    • Bewege eine schwer unterkühlte Person möglichst wenig, da plötzliche Bewegungen gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen können.

 

Kontrolliere regelmäßig Bewusstsein und Atmung.

  • Ist die Person bewusstlos, atmet aber normal, bringe sie vorsichtig in die stabile Seitenlage und halte sie warm.
  • Atmet sie nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und lasse möglichst einen AED holen.

 

Häufige Fehler

  • Lasse die betroffene Person nicht weiter der Kälte ausgesetzt.
  • Reibe erfrorene Haut niemals mit Schnee oder kräftig mit den Händen.
  • Verwende keine direkte starke Hitze zum Erwärmen.
  • Steche Blasen nicht auf.
  • Gib bewusstseinsgetrübten Personen nichts zu essen oder zu trinken.
  • Unterschätze eine schwere Unterkühlung nicht – auch wenn die Person zunächst noch ansprechbar ist.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • die Person stark unterkühlt wirkt,
  • das Zittern aufgehört hat,
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen auftreten,
  • die Person bewusstlos ist,
  • sie nicht normal atmet,
  • großflächige oder tiefe Erfrierungen bestehen,
  • Finger, Zehen oder andere Körperteile hart, gefühllos oder schwarz verfärbt sind,
  • die Unterkühlung nach einem Sturz in kaltes Wasser entstanden ist.

 

Wann sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei:

  • jeder mäßigen oder schweren Unterkühlung,
  • allen Erfrierungen mit Blasenbildung,
  • anhaltender Taubheit oder starken Schmerzen,
  • auffälligen Hautverfärbungen,
  • Begleitverletzungen,
  • älteren oder chronisch kranken Menschen.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Im Krankenhaus werden Körperkerntemperatur, Herzrhythmus, Atmung und Kreislauf überwacht. Die Erwärmung erfolgt kontrolliert mit Warmluftdecken, erwärmten Infusionen oder speziellen Wärmesystemen. Erfrierungen werden steril versorgt und hinsichtlich ihres Ausmaßes beurteilt. Bei schweren Unterkühlungen kann eine intensivmedizinische Behandlung bis hin zum Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO) erforderlich sein. Ziel ist es, den Körper langsam und sicher wieder zu erwärmen und Folgeschäden möglichst zu verhindern.

 

Merke

  • Unterkühlung betrifft den gesamten Körper, Erfrierungen einzelne Körperregionen – häufig treten beide gemeinsam auf.
  • Bringe die betroffene Person aus der Kälte und entferne nasse Kleidung.
  • Wärme den Körper langsam auf und vermeide direkte starke Hitze.
  • Reibe erfrorene Haut nicht und öffne Blasen nicht.
  • Bei Bewusstseinsstörungen, fehlender normaler Atmung, schwerer Unterkühlung oder tiefen Erfrierungen gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

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