Hodenschmerzen bei Schulkindern und Jugendlichen
Plötzliche Hodenschmerzen sind immer ein Notfall
Hodenschmerzen gehören zu den Beschwerden, die niemals unterschätzt werden sollten. Besonders wenn die Schmerzen plötzlich und ohne erkennbare Ursache auftreten, kann eine Hodentorsion dahinterstecken. Dabei dreht sich der Hoden um seinen Samenstrang und die Blutversorgung wird unterbrochen. Ohne schnelle Behandlung kann der Hoden innerhalb weniger Stunden dauerhaft geschädigt werden.
Deshalb gilt: Jeder plötzlich auftretende Hodenschmerz muss bis zum Beweis des Gegenteils als Hodentorsion angesehen werden.
Was passiert bei einer Hodentorsion?
Bei einer Hodentorsion verdreht sich der Hoden um den Samenstrang. Dadurch werden die Blutgefäße abgeschnürt und der Hoden erhält nicht mehr genügend Sauerstoff. Je länger die Durchblutung unterbrochen ist, desto größer ist das Risiko, dass das Hodengewebe abstirbt.
Die größten Chancen, den Hoden zu erhalten, bestehen innerhalb der ersten 4 bis 6 Stunden nach Beginn der Beschwerden. Danach nimmt die Wahrscheinlichkeit deutlich ab. Deshalb zählt jede Minute.
Mögliche Ursachen für Hodenschmerzen
Nicht jeder Hodenschmerz wird durch eine Hodentorsion verursacht.
Weitere Ursachen können sein:
- Entzündung von Hoden oder Nebenhoden,
- Verletzungen oder Prellungen,
- Leistenbruch,
- eingeklemmte Hodenanhängsel (Hydatidentorsion),
- selten andere Erkrankungen.
Da diese Ursachen äußerlich oft nicht sicher voneinander unterschieden werden können, ist eine rasche ärztliche Untersuchung notwendig.
So erkennst du eine Hodentorsion
Typische Anzeichen sind:
- plötzlich einsetzende, starke Hodenschmerzen,
- meist nur eine Seite betroffen,
- Schwellung oder Rötung des Hodensacks,
- hochstehender oder quer liegender Hoden,
- starke Berührungsschmerzen,
- Übelkeit und Erbrechen,
- Schmerzen in Leiste oder Unterbauch.
Nicht jeder Junge zeigt alle Symptome. Auch Bauchschmerzen ohne zunächst erkennbare Hodenschmerzen können – insbesondere bei jüngeren Kindern – Ausdruck einer Hodentorsion sein.
Erste Hilfe – Schritt für Schritt
-
- Bleibe ruhig und beruhige dein Kind.
- Lasse körperliche Anstrengung sofort beenden.
- Vermeide unnötige Bewegungen und lasse dein Kind möglichst ruhig sitzen oder liegen – je nachdem, was angenehmer ist.
- Versuche nicht, den Hoden selbst zurückzudrehen oder zu massieren.
- Gib keine Speisen oder Getränke, da möglicherweise eine rasche Operation erforderlich wird.
- Organisiere umgehend die Vorstellung in einer Klinik mit kinderchirurgischer oder urologischer Versorgung. Bestehen sehr starke Schmerzen, eine lange Anfahrt oder ein deutlich eingeschränkter Allgemeinzustand, sollte der Rettungsdienst alarmiert werden.
Häufige Fehler
- Ein häufiger Fehler ist es, die Beschwerden zunächst abzuwarten oder sie als harmlose Prellung oder „Wachstumsschmerzen“ zu deuten. Bei einer Hodentorsion kann dadurch wertvolle Zeit verloren gehen.
- Auch Schmerzmittel sollten die ärztliche Untersuchung nicht verzögern.
- Ebenso sollte nicht versucht werden, den Hoden selbst zu bewegen oder zurückzudrehen.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn:
- plötzlich starke Hodenschmerzen auftreten und ein schneller Transport nicht möglich ist,
- starke Schmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen bestehen,
- dein Kind sehr blass, benommen oder kreislaufinstabil wirkt,
- zusätzlich schwere Verletzungen nach einem Unfall vorliegen.
In allen anderen Fällen sollte dein Kind sofort in die nächstgelegene Kinderklinik oder urologische Klinik gebracht werden – ohne Zeit zu verlieren.
Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?
Jeder neu aufgetretene Hodenschmerz muss umgehend ärztlich untersucht werden.
Dies gilt auch bei:
- Schwellung oder Rötung des Hodensacks,
- Schmerzen nach einer Verletzung,
- Fieber zusammen mit Hodenschmerzen,
- wiederkehrenden Hodenschmerzen,
- unklaren Unterbauchschmerzen bei Jungen.
Was passiert im Krankenhaus?
Die Ärztin oder der Arzt untersucht den Hoden und beurteilt Lage, Schwellung und Durchblutung. Häufig erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung mit Doppler, um die Blutversorgung zu beurteilen. Besteht der Verdacht auf eine Hodentorsion, darf eine Operation nicht durch weitere Untersuchungen verzögert werden. In der Operation wird der Hoden zurückgedreht und dauerhaft im Hodensack befestigt. Meist wird gleichzeitig auch der gesunde Hoden vorbeugend fixiert, da häufig auf beiden Seiten eine ähnliche Veranlagung besteht.
Merke
- Plötzlich auftretende Hodenschmerzen sind immer ein medizinischer Notfall.
- Die wichtigste Ursache ist die Hodentorsion – hier zählt jede Minute.
- Versuche niemals, den Hoden selbst zurückzudrehen.
- Gib deinem Kind nichts zu essen oder zu trinken.
- Jeder Hodenschmerz sollte sofort ärztlich abgeklärt werden.
- Bei starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder wenn ein schneller Transport nicht möglich ist, gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.