Wiederbelebung mit Defibrillator / AED

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Wiederbelebung mit Defibrillator / AED

Wiederbelebung mit AED bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Wiederbelebung und Defibrillation richtig durchführen

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist bei Schulkindern und Jugendlichen selten, aber unmittelbar lebensbedrohlich. Das Kind reagiert nicht mehr und atmet nicht normal. Manchmal treten nur einzelne, schnappende oder unregelmäßige Atemzüge auf. Diese sogenannte Schnappatmung ist keine normale Atmung.

Beginne sofort mit der Wiederbelebung und setze einen automatisierten externen Defibrillator, kurz AED, ein, sobald er verfügbar ist. Ein AED analysiert den Herzrhythmus selbstständig und gibt nur dann einen Schock frei, wenn dieser medizinisch sinnvoll ist. Du kannst das Gerät daher nicht versehentlich falsch bedienen und „falsch schocken“.

 

Was passiert bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand?

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand pumpt das Herz kein Blut mehr wirksam durch den Körper. Gehirn und Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bereits nach wenigen Minuten können bleibende Hirnschäden entstehen.

Bei Kindern geht einem Herzstillstand häufiger eine Störung der Atmung oder ein Sauerstoffmangel voraus, beispielsweise durch Ersticken, Ertrinken oder eine schwere Atemwegserkrankung. Deshalb haben Beatmungen bei der Wiederbelebung eines Kindes eine besonders wichtige Bedeutung.

Bei Jugendlichen kann – ähnlich wie bei Erwachsenen – auch eine plötzlich auftretende Herzrhythmusstörung die Ursache sein. In diesem Fall kann eine frühe Defibrillation entscheidend sein.

 

Woran erkennst du einen Herz-Kreislauf-Stillstand?

Beginne mit der Wiederbelebung, wenn das Kind oder der Jugendliche:

  • nicht reagiert und
  • nicht normal atmet.

 

Als nicht normale Atmung gelten auch:

  • einzelne schnappende Atemzüge,
  • sehr unregelmäßige Atmung,
  • auffälliges Röcheln oder Seufzen,
  • lange Atempausen.

 

Verliere keine Zeit mit einer Pulskontrolle. Für Laien ist es schwierig, einen Puls zuverlässig zu beurteilen.

 

Wiederbelebung – Schritt für Schritt

1. Achte auf deine Sicherheit

Prüfe kurz, ob die Umgebung sicher ist. Bringe dich nicht selbst in Gefahr, beispielsweise durch Straßenverkehr, Strom, Feuer oder Rauch.

 

2. Prüfe die Reaktion

Sprich das Kind laut an: „Hallo! Kannst du mich hören?“

Berühre es vorsichtig an den Schultern. Schüttle es nicht heftig.

Reagiert das Kind nicht, rufe laut um Hilfe.

 

3. Öffne die Atemwege

Lege das Kind auf den Rücken.

Lege eine Hand auf die Stirn und überstrecke den Kopf vorsichtig nach hinten. Hebe gleichzeitig das Kinn an. Dadurch werden die Atemwege geöffnet.

Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule, sollte der Kopf möglichst wenig bewegt werden. Das Öffnen der Atemwege hat bei einem nicht atmenden Kind dennoch Vorrang.

 

4. Kontrolliere die Atmung

Beuge dich mit deinem Gesicht über Mund und Nase des Kindes und blicke in Richtung Brustkorb.

Prüfe höchstens 10 Sekunden lang:

    • Hebt und senkt sich der Brustkorb?
    • Hörst du Atemgeräusche?
    • Spürst du Luft an deiner Wange?

 

  • Atmet das Kind normal, bringe es in die stabile Seitenlage und wähle den Notruf 112.
  • Atmet es nicht oder nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung.

 

5. Gib fünf initiale Beatmungen

Öffne erneut die Atemwege. Verschließe die Nase mit Daumen und Zeigefinger. Umschließe den Mund des Kindes mit deinen Lippen und beatme gleichmäßig etwa eine Sekunde lang.

Beobachte dabei, ob sich der Brustkorb sichtbar hebt.

Lass die Luft wieder entweichen und gib insgesamt fünf Beatmungen.

Hebt sich der Brustkorb nicht:

    • kontrolliere die Kopfposition,
    • öffne den Mund,
    • entferne sichtbare Fremdkörper,
    • greife niemals blind mit den Fingern in den Mund,
    • versuche die Beatmung erneut.

 

6. Veranlasse den Notruf und lasse einen AED holen

 

Sind weitere Personen anwesend, beauftrage eine Person ganz konkret:

„Rufen Sie 112 und bringen Sie einen AED/Defibrilator!“

Bei zwei Helfenden beginnt eine Person sofort mit der Wiederbelebung, während die andere den Notruf absetzt und einen AED holt, wenn sich einer in der Nähe befindet (Flughäfen, Bahnhöfe, öffentliche Gebäude, Gastronomie, Autobahnraststätten, andere).

Bist du allein und hast ein Mobiltelefon, wähle 112, aktiviere den Lautsprecher und beginne beziehungsweise setze die Wiederbelebung fort. Folge den Anweisungen der Leitstelle.

Bist du allein und kannst nicht direkt telefonieren, führe bei einem Kind zunächst ungefähr eine Minute Wiederbelebung durch. Unterbrich danach nur kurz, um den Notruf abzusetzen. Nimm ein kleines Kind möglichst mit zum Telefon, sofern das sicher möglich ist.

Bei einem plötzlich beobachteten Kollaps eines Jugendlichen sollte der Notruf und die Beschaffung eines AED besonders früh erfolgen.

 

Herzdruckmassage richtig durchführen

Handposition

Lege den Ballen einer Hand auf die untere Hälfte des Brustbeins, ungefähr in die Mitte des Brustkorbs.

Achte darauf, nicht auf das untere Ende des Brustbeins, die Rippen oder den Oberbauch zu drücken.

Bei einem kleineren Schulkind kann eine Hand ausreichen. Bei einem größeren Kind oder Jugendlichen werden – wie bei Erwachsenen – beide Hände übereinandergelegt. Verschränke die Finger und halte sie von den Rippen fern.

 

Körperhaltung

Knie seitlich neben dem Brustkorb.

Halte deine Arme möglichst gestreckt und positioniere deine Schultern senkrecht über den Händen. Drücke mit dem Gewicht deines Oberkörpers nach unten.

 

Drucktiefe

Drücke den Brustkorb um ein Drittel seiner Tiefe ein:

  • bei Kindern ungefähr 4–5 cm,
  • bei größeren Jugendlichen wie bei Erwachsenen etwa 5 bis höchstens 6 cm.

 

Geschwindigkeit

Drücke mit einer Frequenz von 100 bis 120 Herzdruckmassagen pro Minute.

Lass den Brustkorb nach jeder Kompression vollständig zurückfedern. Die Hände bleiben dabei auf dem Brustkorb liegen.

Unterbrich die Herzdruckmassage so selten und so kurz wie möglich.

 

Verhältnis von Herzdruckmassage und Beatmung

Für Eltern, Lehrkräfte und andere Laien ist das Verhältnis 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen leicht anwendbar:

30 : 2

Helfende, die speziell in der Kinderreanimation ausgebildet sind, können im Verhältnis 15 : 2 reanimieren.

Kannst oder möchtest du nicht beatmen, führe zumindest ununterbrochen Herzdruckmassagen durch mit einer Geschwindigkeit von 120/min. Bei Kindern ist die Kombination aus Herzdruckmassage und Beatmung jedoch besonders wichtig, da ein Sauerstoffmangel häufig die Ursache des Kreislaufstillstands ist und die Beatmungen einfach noch mehr Sauerstoff in den Körper transportieren als eine reine Herzdruckmassage.

 

Was ist ein AED?

Ein automatisierter externer Defibrillator ist ein Gerät, das den Herzrhythmus über aufgeklebte Elektroden untersucht. Erkennt es eine schockbare Herzrhythmusstörung, lädt es sich auf und fordert dich zur Schockabgabe auf.

Bei einem nicht schockbaren Rhythmus wird kein Schock freigegeben. Das Gerät fordert dich dann unmittelbar zur Fortsetzung der Wiederbelebung auf.

Ein AED:

  • erkennt den Herzrhythmus automatisch,
  • entscheidet selbst, ob ein Schock erforderlich ist,
  • gibt deutliche Sprach- und teilweise Bildanweisungen,
  • kann und soll explizit auch von medizinisch nicht ausgebildeten Personen verwendet werden.

 

AED anwenden – Schritt für Schritt

1. Wiederbelebung nicht unnötig unterbrechen

Führe die Wiederbelebung weiter, während eine zweite Person den AED vorbereitet.

Bist du allein, lege den AED so schnell wie möglich an. Unterbrich die Herzdruckmassage nur so lange, wie es unbedingt notwendig ist.

 

2. AED einschalten

Öffne das Gerät und drücke die Einschalttaste. Manche Geräte schalten sich bereits beim Öffnen des Deckels selbst ein.

Höre auf die Sprachanweisungen.

 

3. Brustkorb freimachen

Entferne die Kleidung vom Oberkörper. Schneide sie bei Bedarf (mit der beiliegenden) Schere auf.

Die Elektroden müssen direkt auf der nackten Haut kleben.

 

4. Brustkorb trocknen

Ist der Brustkorb nass, trockne ihn rasch ab. Die Haut muss an den Klebestellen ausreichend trocken sein.

Das Kind muss nicht vollständig trocken sein. Es darf jedoch nicht in einer Wasserlache liegen. Bringe es auf einen möglichst trockenen Untergrund.

 

5. Störende Gegenstände

Entferne

    • stark störende Kleidung,
    • bei ausgeprägter Brustbehaarung nur die Haare an den Klebestellen, falls die Elektroden sonst nicht haften.

 

Ein Piercing oder Schmuck muss nicht zeitraubend entfernt werden. Klebe die Elektrode nicht direkt darauf, sondern mit etwas Abstand daneben.

 

6. Elektroden aufkleben

Auf jeder Elektrode ist die korrekte Position abgebildet.

Bei größeren Schulkindern und Jugendlichen werden die Elektroden in der Regel wie bei Erwachsenen angebracht:

    • Elektrode 1: rechts oben auf dem Brustkorb, unterhalb des Schlüsselbeins neben dem Brustbein,
    • Elektrode 2: links seitlich am Brustkorb, unterhalb der Achsel.

 

Drücke die Elektroden fest auf die Haut.

Die Elektroden dürfen nicht überlappen oder sich berühren. Das ist insbesondere bei kleinen Kindern problematisch.

 

Wenn die Elektroden sich berühren könnten

Sind die Elektroden für den (kleinen) Brustkorb zu groß, verwende die Vorne-hinten-Position:

    • eine Elektrode mittig vorne auf den Brustkorb,
    • die andere Elektrode mittig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter.

 

Achte darauf, dass beide Elektroden fest auf der Haut haften.

 

7. Kabel anschließen

Bei manchen Geräten ist das Elektrodenkabel bereits angeschlossen. Bei anderen musst du den Stecker in die gekennzeichnete Buchse stecken.

Folge den Anweisungen des Geräts.

 

8. Herzrhythmus analysieren lassen

Der AED fordert dich auf, das Kind nicht zu berühren.

Rufe deutlich: „Alle weg vom Kind!“

Kontrolliere mit einem Blick, dass niemand das Kind berührt. Berührungen oder Bewegungen können die Rhythmusanalyse stören.

 

9. Schock abgeben

Empfiehlt der AED einen Schock, lädt er sich automatisch auf.

Bei einem halbautomatischen Gerät blinkt anschließend die Schocktaste. Prüfe erneut, dass niemand das Kind berührt, und drücke die Taste.

Ein vollautomatischer AED gibt den Schock nach einer akustischen Warnung selbstständig ab. Auch dabei darf niemand das Kind berühren.

 

10. Sofort weiter reanimieren

Beginne unmittelbar nach der Schockabgabe wieder mit der Herzdruckmassage. Kontrolliere nicht erst den Puls und warte nicht auf eine sichtbare Reaktion.

Führe die Wiederbelebung etwa zwei Minuten fort. Danach analysiert der AED den Herzrhythmus erneut.

 

Wenn kein Schock empfohlen wird

Beginne ebenfalls sofort wieder mit Herzdruckmassage und Beatmung.

„Kein Schock empfohlen“ bedeutet nicht, dass das Kind wieder einen normalen Kreislauf hat. Es bedeutet nur, dass der aktuell erkannte Herzrhythmus nicht durch einen elektrischen Schock behandelt werden kann.

 

Welcher AED wird bei Kindern verwendet?

Bei Kindern bis ungefähr acht Jahre beziehungsweise unter etwa 25 kg sollten – sofern vorhanden – spezielle Kinderelektroden oder ein Kindermodus mit reduzierter Energie verwendet werden.

Sind keine Kinderelektroden und kein Kindermodus verfügbar, verwende den normalen AED mit Erwachsenenelektroden. Warte nicht auf ein spezielles Kindergerät.

Bei Kindern über acht Jahren und Jugendlichen wird der AED grundsätzlich im Erwachsenenmodus mit normalen Elektroden verwendet.

Die Alters- und Gewichtsangaben können je nach Hersteller leicht variieren. Beachte deshalb die Abbildungen und Hinweise auf dem Gerät.

 

Sicherheit bei der Schockabgabe

Ein AED ist sicher, wenn du einige Regeln beachtest:

  • Niemand darf das Kind während der Analyse oder Schockabgabe berühren.
  • Verwende den AED nicht, solange das Kind im Wasser liegt.
  • Trockne einen nassen Brustkorb vor dem Aufkleben ab.
  • Klebe Elektroden nicht übereinander.
  • Verwende den AED nicht in unmittelbarer Nähe brennbarer Gase oder einer sauerstoffangereicherten Atmosphäre.
  • Entferne eine Sauerstoffquelle vor der Schockabgabe etwas vom Brustkorb, ohne die Versorgung unnötig zu verzögern.

 

Regen allein ist kein Grund, auf einen AED zu verzichten. Entscheidend sind ein möglichst trockener Brustkorb, sicher haftende Elektroden und ein Untergrund ohne größere Wasseransammlung.

 

Was tun, wenn das Kind wieder Lebenszeichen zeigt?

Unterbrich die Wiederbelebung nur, wenn das Kind:

  • sich gezielt bewegt,
  • die Augen öffnet,
  • hustet oder
  • wieder eindeutig normal atmet.

 

Kontrolliere die Atmung sorgfältig.

Ist das Kind weiterhin bewusstlos, atmet aber normal, bringe es in die stabile Seitenlage. Lass die Elektroden aufgeklebt und den AED eingeschaltet. Kontrolliere die Atmung fortlaufend.

Wird die Atmung erneut unregelmäßig oder setzt sie aus, drehe das Kind auf den Rücken und beginne sofort wieder mit der Wiederbelebung.

 

Häufige Fehler

Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • Schnappatmung mit normaler Atmung zu verwechseln,
  • zu lange nach einem Puls zu suchen,
  • zu flach oder zu langsam zu drücken,
  • sich bei der Herzdruckmassage häufig abzuwechseln oder lange Pausen zu machen,
  • den Brustkorb nach jeder Kompression nicht vollständig zu entlasten,
  • aus Angst keinen AED einzusetzen,
  • die Wiederbelebung zum Holen eines AED zu unterbrechen, obwohl niemand weiterdrückt,
  • nach einem Schock zunächst den Puls zu kontrollieren,
  • Erwachsenenelektroden nicht zu verwenden, obwohl keine Kinderelektroden verfügbar sind,
  • bei „Kein Schock empfohlen“ die Wiederbelebung zu beenden.

 

Wann darf die Wiederbelebung beendet werden?

Setze die Wiederbelebung fort, bis:

  • das Kind wieder eindeutig normal atmet und Lebenszeichen zeigt,
  • der Rettungsdienst übernimmt,
  • die Umgebung für dich gefährlich wird oder
  • du körperlich nicht mehr weiterhelfen kannst.

 

Bleibt das Kind bewusstlos, darf die Wiederbelebung nicht allein deshalb beendet werden, weil der AED keinen Schock empfiehlt.

 

Was passiert nach Eintreffen des Rettungsdienstes?

Der Rettungsdienst übernimmt die Wiederbelebung und führt erweiterte Maßnahmen durch. Dazu gehören beispielsweise:

  • kontrollierte Beatmung und Sauerstoffgabe,
  • Überwachung des Herzrhythmus,
  • weitere Defibrillationen,
  • Medikamente,
  • Behandlung möglicher Ursachen,
  • Transport in eine geeignete Klinik.

 

Bis zur eindeutigen Übernahme solltest du die Wiederbelebung ohne unnötige Unterbrechung fortsetzen.

 

Merke

  • Keine Reaktion und keine normale Atmung bedeuten: sofort wiederbeleben.
  • Schnappatmung ist keine normale Atmung.
  • Beginne bei Kindern mit fünf Beatmungen.
  • Drücke die untere Hälfte des Brustbeins mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute mindestens um ein Drittel der Brustkorbtiefe ein.
  • Für Laien gilt grundsätzlich 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen.
  • Schalte den AED sofort ein, klebe die Elektroden nach Abbildung auf und folge den Sprachanweisungen.
  • Während der Analyse und Schockabgabe darf niemand das Kind berühren.
  • Verwende Kinderelektroden, wenn sie verfügbar und für das Kind vorgesehen sind. Andernfalls darfst du Erwachsenenelektroden verwenden.
  • Nach einem Schock oder der Ansage „Kein Schock empfohlen“ setzt du die Wiederbelebung sofort fort.
  • Der AED ersetzt die Wiederbelebung nicht – er ergänzt sie.

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