Verkehrsunfall –
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Warum Verkehrsunfälle so gefährlich sind
Verkehrsunfälle gehören zu den schwersten Unfällen im Kindesalter. Ob als Mitfahrer im Auto, auf dem Fahrrad oder Laufrad, im Fahrradanhänger oder als Fußgänger – bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten wirken enorme Kräfte auf den kleinen Körper.
Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Kopf im Verhältnis zum Körper größer und schwerer ist und Muskeln, Knochen und innere Organe noch empfindlicher auf plötzliche Beschleunigungs- und Bremskräfte reagieren. Auch wenn äußerlich kaum Verletzungen sichtbar sind, können Kopf-, Wirbelsäulen- oder innere Verletzungen entstanden sein.
Symptome richtig erkennen
Nach einem Verkehrsunfall können Schürfwunden, Prellungen oder Platzwunden sofort auffallen. Mindestens genauso wichtig sind jedoch Verletzungen, die zunächst nicht sichtbar sind.
Achte auf Bewusstlosigkeit – auch wenn sie nur kurz anhält –, zunehmende Schläfrigkeit, Verwirrtheit, ungewöhnliche Reizbarkeit, anhaltendes Weinen, wiederholtes Erbrechen, Krampfanfälle oder unterschiedlich große Pupillen. Auch Atemnot, Brust- oder Bauchschmerzen, Blässe, kalter Schweiß, Teilnahmslosigkeit oder starke Schmerzen können auf schwere innere Verletzungen oder einen Schock hinweisen.
Erste Hilfe
Sichere zuerst die Unfallstelle, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen, und lasse – wenn möglich – den Rettungsdienst über 112 alarmieren.
Überprüfe sofort Bewusstsein und Atmung deines Kindes.
Besteht keine akute Gefahr (z. B. Feuer, Rauch, Wasser oder ein anderes unmittelbar drohendes Risiko), lasse dein Kind möglichst im Kindersitz oder in der vorgefundenen Position, bis der Rettungsdienst eintrifft. Unnötige Bewegungen können Verletzungen der Wirbelsäule verschlimmern.
Muss dein Kind wegen einer unmittelbaren Lebensgefahr aus dem Fahrzeug gerettet werden, bewege Kopf und Wirbelsäule möglichst achsengerecht und nur so viel wie unbedingt nötig.
Starke Blutungen solltest du sofort durch direkten Druck auf die Wunde stillen.
Halte dein Kind warm, beruhige es und beobachte Atmung und Bewusstsein bis professionelle Hilfe eintrifft.
Atmet dein Kind nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und folge den Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Wann dein Kind zum Kinderarzt oder in die Kinderklinik sollte
Nach jedem Verkehrsunfall sollte dein Kind ärztlich untersucht werden, auch wenn es zunächst unverletzt erscheint. Manche Verletzungen – insbesondere Kopf-, Bauch- oder Wirbelsäulenverletzungen – werden erst Stunden später bemerkbar.
Besonders wichtig ist eine ärztliche Untersuchung nach einem Fahrrad-, Roller- oder Laufradsturz mit Kopfaufprall oder wenn dein Kind nach dem Unfall über Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Bauchschmerzen oder Schwindel klagt.
Beobachte dein Kind in den folgenden 24 bis 48 Stunden aufmerksam und suche erneut ärztliche Hilfe, wenn neue Beschwerden auftreten.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe nach jedem Verkehrsunfall mit Verletzungsverdacht sofort den Rettungsdienst unter 112.
Dies gilt insbesondere bei Bewusstlosigkeit – auch wenn sie nur kurz bestand –, Atemnot, Krampfanfällen, wiederholtem Erbrechen, zunehmender Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen.
Alarmiere den Rettungsdienst außerdem bei starken Blutungen, offensichtlichen Fehlstellungen von Armen oder Beinen, starken Brust-, Bauch- oder Rückenschmerzen, Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule oder wenn dein Kind eingeklemmt wurde oder aus dem Fahrzeug geschleudert wurde.
Auch nach einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit, einem Überschlag des Fahrzeugs oder wenn der Kindersitz erheblich beschädigt wurde, sollte dein Kind notfallmedizinisch versorgt werden.
Verkehrsunfällen vorbeugen
Sichere dein Kind immer mit einem alters- und gewichtsgerechten Kindersitz, der korrekt eingebaut ist. Kinder sollten so lange wie möglich rückwärtsgerichtet (Reboarder) fahren, da dies Kopf und Halswirbelsäule deutlich besser schützt. Achte darauf, dass die Gurte straff anliegen und dicke Winterjacken unter dem Gurt vermieden werden.
Beim Fahrrad-, Roller- oder Laufradfahren sollte dein Kind stets einen gut sitzenden Helm tragen. Übe frühzeitig sicheres Verhalten im Straßenverkehr und sichere Kinder beim Ein- und Aussteigen immer auf der Gehwegseite. So lassen sich viele schwere Verkehrsunfälle vermeiden.