Akute Blutung

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Akute Blutung

Akute Blutungen bei Erwachsenen

 

Wenn jede Minute zählt

Blutungen gehören zu den häufigsten Notfällen. Kleine Verletzungen lassen sich meist problemlos versorgen. Starke oder unkontrollierte Blutungen können jedoch innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden, da der Körper große Mengen Blut verliert und wichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Eine schnelle Blutstillung ist deshalb eine der wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen überhaupt. Sie kann Leben retten.

 

Was passiert im Körper?

Bei einer Verletzung werden Blutgefäße beschädigt und Blut tritt aus. Der Körper versucht zunächst selbst, die Blutung durch Gefäßverengung und Blutgerinnung zu stoppen.

Bei größeren Verletzungen reicht dieser natürliche Schutz häufig nicht aus. Es kommt zu einem erheblichen Blutverlust. Sinkt die zirkulierende Blutmenge, können Herz, Gehirn und andere Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Unbehandelt kann dies zu einem lebensbedrohlichen Schock führen.

 

Häufige Ursachen

Akute Blutungen entstehen häufig durch:

  • Schnittverletzungen,
  • Stichverletzungen,
  • Arbeitsunfälle,
  • Verkehrsunfälle,
  • Stürze,
  • Maschinenverletzungen,
  • Tierbisse,
  • Glasverletzungen,
  • Amputationen.

 

Symptome

Je nach Stärke der Blutung können auftreten:

  • sichtbarer Blutverlust,
  • hellrotes oder dunkelrotes Blut,
  • schnell zunehmende Blutlachen,
  • Schmerzen,
  • Schwindel,
  • Blässe,
  • kalter Schweiß,
  • schneller Puls,
  • Schwäche,
  • Bewusstseinsstörungen.

 

Warnzeichen einer lebensbedrohlichen Blutung sind:

  • Blut spritzt oder fließt ununterbrochen aus der Wunde,
  • Kleidung oder Verbände sind innerhalb kurzer Zeit vollständig durchblutet,
  • die betroffene Person wirkt blass, verwirrt oder schläfrig,
  • Schockzeichen treten auf (Blässe, Verwirrtheit, Kreislaufprobleme, schneller Puls, Frieren, Bewusstlosigkeit etc.)

 

Erste Hilfe

    • Achte zunächst auf deinen Eigenschutz. Trage nach Möglichkeit Einmalhandschuhe und vermeide direkten Kontakt mit Blut.
    • Übe sofort kräftigen direkten Druck auf die blutende Wunde aus. Nutze dazu eine sterile Kompresse oder – falls nichts anderes verfügbar ist – ein sauberes Tuch.
    • Lässt sich die Blutung dadurch nicht stillen, lege einen Druckverband an. Entferne einen bereits angelegten Verband nicht, wenn er durchblutet. Lege stattdessen weiteres Verbandmaterial darüber und erhöhe den Druck.
    • Lagere die verletzte Extremität nach Möglichkeit hoch, damit kann die Blutung reduziert werden.
    • Halte die betroffene Person warm und beruhige sie.

 

Lebensbedrohliche Blutung

Lässt sich die Blutung durch direkten Druck oder einen Druckverband nicht stoppen oder handelt es sich um eine massive Blutung an Arm oder Bein, kann ein Tourniquet (Abbindesystem) oberhalb der Verletzung angelegt werden. Es sollte nur verwendet werden, wenn eine lebensbedrohliche Blutung anders nicht kontrolliert werden kann oder ein Druckverband nicht möglich ist.

Kontrolliere regelmäßig Bewusstsein und Atmung.

  • Ist die betroffene Person bewusstlos, atmet aber normal, bringe sie in die stabile Seitenlage.
  • Atmet sie nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und lasse möglichst einen AED holen.

 

Häufige Fehler

  • Entferne einen durchbluteten Verband nicht.
  • Unterschätze starke Blutungen nicht – auch wenn die Wunde klein aussieht.
  • Entferne keine tief sitzenden Fremdkörper aus der Wunde. Stabilisiere sie stattdessen mit Verbandmaterial.
  • Verzögere den Notruf nicht, wenn sich die Blutung nicht rasch kontrollieren lässt.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • die Blutung stark oder spritzend ist,
  • sich die Blutung nicht durch Druck stillen lässt,
  • ein Tourniquet angelegt werden musste,
  • eine Amputation vorliegt,
  • ein Fremdkörper tief in der Wunde steckt,
  • Schockzeichen auftreten,
  • die betroffene Person bewusstlos ist,
  • sie nicht normal atmet.

 

Wann sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei:

  • tiefen oder klaffenden Wunden,
  • Biss- oder Stichverletzungen,
  • stark verschmutzten Wunden,
  • Verletzungen mit möglicher Sehnen-, Nerven- oder Gefäßbeteiligung,
  • anhaltender Blutung,
  • unklarem Tetanus-Impfschutz.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Im Krankenhaus wird die Blutung endgültig gestillt und die Wunde gründlich gereinigt. Je nach Verletzung werden Blutgefäße, Sehnen oder Nerven operativ versorgt. Bei größerem Blutverlust können Infusionen oder Bluttransfusionen notwendig sein. Zusätzlich wird geprüft, ob eine Tetanus-Impfung oder Antibiotika erforderlich sind.

 

Merke

  • Bei starken Blutungen zählt jede Minute.
  • Übe sofort kräftigen direkten Druck auf die Wunde aus und lege einen Druckverband an.
  • Entferne einen durchbluteten Verband nicht, sondern lege weiteres Material darüber.
  • Ein Tourniquet ist bei lebensbedrohlichen Blutungen an Arm oder Bein eine wirksame Maßnahme, wenn Druck allein nicht ausreicht.
  • Bei unkontrollierbaren Blutungen, Schockzeichen oder Bewusstlosigkeit gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

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