Brustkorbverletzungen bei Erwachsenen
Wenn eine Verletzung des Brustkorbs lebensgefährlich werden kann
Brustkorbverletzungen entstehen häufig durch Verkehrsunfälle, Stürze, Arbeitsunfälle oder starke Schläge gegen den Brustkorb. Die Verletzung kann sich auf Prellungen der Rippen beschränken, aber auch zu Rippenbrüchen oder schweren Verletzungen von Lunge, Herz oder großen Blutgefäßen führen.
Da sich lebensbedrohliche Komplikationen manchmal erst im Verlauf entwickeln, sollte jede stärkere Brustkorbverletzung ernst genommen werden.
Was passiert im Körper?
Der Brustkorb schützt lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und große Blutgefäße. Bei einem heftigen Aufprall können Rippen brechen oder innere Organe verletzt werden.
Eine gebrochene Rippe kann die Lunge verletzen und einen Pneumothorax (Luft zwischen Lunge und Brustwand) oder einen Hämatothorax (Blut im Brustkorb) verursachen. Dadurch kann sich die Lunge nicht mehr ausreichend entfalten und die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich. In schweren Fällen kann sich ein lebensbedrohlicher Spannungspneumothorax entwickeln, bei dem Herz und Lunge zunehmend zusammengedrückt werden.
Häufige Ursachen
Brustkorbverletzungen entstehen häufig durch:
- Verkehrsunfälle,
- Stürze aus größerer Höhe,
- Fahrrad- oder E-Scooter-Unfälle,
- Sportverletzungen,
- Schläge oder Tritte gegen den Brustkorb,
- Quetschverletzungen,
- Arbeitsunfälle.
Symptome
Je nach Verletzung können auftreten:
- starke Schmerzen im Brustkorb,
- Schmerzen beim Ein- oder Ausatmen,
- flache oder beschleunigte Atmung,
- Atemnot,
- Druckschmerz über den Rippen,
- Schwellungen oder Blutergüsse,
- knackende Geräusche oder ein Reiben der Rippen,
- Husten, manchmal mit blutigem Auswurf.
Warnzeichen einer schweren Brustkorbverletzung sind:
- zunehmende Atemnot,
- bläuliche Lippen oder Finger,
- starke Brustschmerzen,
- ausgeprägte Blässe,
- kalter Schweiß,
- schneller Puls,
- Bewusstseinsstörungen,
- sichtbare offene Brustkorbverletzungen.
Erste Hilfe
-
- Bewahre Ruhe und beruhige die betroffene Person.
- Wähle bei stärkeren Beschwerden oder nach einem schweren Unfall frühzeitig den Notruf 112.
- Hilf der betroffenen Person in eine Position, in der ihr das Atmen am leichtesten fällt. Meist ist eine aufrechte oder leicht nach vorne gebeugte Sitzposition angenehm. Ist sie ansprechbar und bevorzugt eine bestimmte Haltung, unterstütze sie dabei.
- Lockere einengende Kleidung und beobachte Atmung sowie Bewusstsein.
- Bei einer offenen Brustkorbverletzung decke die Wunde locker mit einer sterilen Wundauflage oder einem Verbandmaterial ab. Übe keinen starken Druck auf die Verletzung aus, es sei denn es blutet stark.
- Ist die betroffene Person bewusstlos, atmet aber normal, bringe sie vorsichtig in die stabile Seitenlage. Ist nur eine Brustkorbseite verletzt lege die Person dabei auf die verletzte Seite. Üblicherweise vermeidet man eine Lagerung auf eine Verletzung, aber hier besteht das Ziel, dass die gesunde Brustkorbseite und die nicht betroffene Lunge sich möglichst gut ausdehnen können sollen.
- Atmet sie nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und lasse möglichst einen AED holen.
Häufige Fehler
- Versuche nicht, gebrochene Rippen zu richten oder den Brustkorb fest zu verbinden. Ein straffer Verband kann die Atmung zusätzlich einschränken.
- Entferne keine Fremdkörper aus Wunden!
- Lasse die betroffene Person nicht unnötig gehen oder sich körperlich anstrengen.
- Unterschätze anhaltende Schmerzen oder zunehmende Atemnot nicht – auch wenn die Verletzung zunächst harmlos erscheint.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn:
- Atemnot besteht,
- starke Brustschmerzen auftreten,
- mehrere Rippen verletzt sein könnten,
- eine offene Brustkorbverletzung vorliegt,
- Blut aus Mund oder Wunde austritt,
- die betroffene Person bewusstlos wird,
- Zeichen eines Schocks auftreten,
- der Verdacht auf einen Pneumothorax oder eine innere Verletzung besteht,
- die Verletzung nach einem schweren Unfall entstanden ist.
Wann sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen?
Eine ärztliche Untersuchung ist nach jeder stärkeren Brustkorbverletzung sinnvoll – auch wenn die Beschwerden zunächst gering erscheinen.
Besonders wichtig ist dies bei:
- Schmerzen beim Atmen,
- Verdacht auf Rippenbruch,
- zunehmenden Schmerzen,
- Husten oder Atemnot,
- Blutergüssen nach einem stärkeren Aufprall,
- anhaltenden Beschwerden.
Was passiert im Krankenhaus?
Im Krankenhaus werden Atmung, Kreislauf und Sauerstoffversorgung überwacht. Zur Diagnostik gehören meist eine körperliche Untersuchung, Ultraschall sowie Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie des Brustkorbs. Je nach Verletzung werden Schmerzmittel verabreicht und die Atmung überwacht. Ein Pneumothorax oder Hämatothorax muss häufig mit einer Thoraxdrainage behandelt werden. Schwere Verletzungen der Lunge, des Herzens oder großer Blutgefäße können eine sofortige Operation erforderlich machen.
Merke
- Brustkorbverletzungen können auch ohne sichtbare Wunde lebensgefährlich sein.
- Atemnot nach einer Brustkorbverletzung ist immer ein Warnzeichen.
- Unterstütze die betroffene Person in einer atemerleichternden Position und beobachte ihre Atmung.
- Den Brustkorb niemals fest verbinden und Fremdkörper in Wunden niemals entfernen.
- Bei Atemnot, Schockzeichen oder Verdacht auf innere Verletzungen gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.