Geburt und Erstversorgung eines Neugeborenen
Wenn die Geburt schneller beginnt als erwartet
Die meisten Geburten verlaufen problemlos und werden von Hebammen oder Ärztinnen und Ärzten begleitet. Manchmal kommt ein Baby jedoch unerwartet zu Hause, unterwegs oder vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes zur Welt. Für die werdende Mutter und anwesende Helfer ist das meist eine außergewöhnliche Situation.
Die wichtigste Botschaft lautet: Bleibe ruhig. Die meisten Babys beginnen nach der Geburt selbstständig zu atmen und benötigen nur Wärme, Ruhe und die Nähe ihrer Mutter.
Was passiert nach der Geburt?
Nach der Geburt muss das Neugeborene erstmals selbst atmen. Die Lunge entfaltet sich, die Durchblutung stellt sich um und die Versorgung über die Plazenta endet.
Viele Neugeborene schreien direkt nach der Geburt. Andere atmen zunächst ruhig, ohne zu schreien. Beides kann normal sein. Entscheidend ist, dass das Kind regelmäßig atmet, einen guten Muskeltonus zeigt und zunehmend rosig wird.
Woran erkennst du, dass alles gut verläuft?
Ein gesundes Neugeborenes:
- atmet regelmäßig oder schreit kräftig,
- bewegt Arme und Beine,
- hat eine gute Muskelspannung,
- wird innerhalb weniger Minuten zunehmend rosig,
- reagiert auf Berührung.
Erste Hilfe
Wähle möglichst früh den Notruf 112, wenn die Geburt unmittelbar bevorsteht oder bereits begonnen hat.
Während der Geburt
-
- Unterstütze die Mutter und sorge für eine ruhige Umgebung.
- Lass sie die Position einnehmen, die ihr am angenehmsten ist.
- Dränge oder ziehe niemals am Kopf oder Körper des Kindes.
Nach der Geburt
-
- Nimm das Baby sicher entgegen und halte es gut fest – Neugeborene sind durch Fruchtwasser sehr glitschig.
- Lege das Kind sofort Haut an Haut auf die nackte Brust der Mutter.
- Trockne das Baby gründlich mit einem sauberen, trockenen Handtuch ab und entferne anschließend nasse Tücher. Decke Mutter und Kind warm zu. Besonders der Kopf des Babys sollte mit einer trockenen Mütze oder einem Tuch warmgehalten werden.
Atemwege
-
- Ist das Baby wach und atmet regelmäßig, sind keine besonderen Maßnahmen an den Atemwegen notwendig.
- Nur wenn Mund oder Nase offensichtlich durch größere Mengen Sekret verlegt sind, dürfen diese vorsichtig mit einem Tuch entfernt werden. Ein routinemäßiges Absaugen ist nicht erforderlich.
Nabelschnur
-
- Die Nabelschnur muss nicht sofort durchtrennt werden. Solange Mutter und Kind stabil sind, kann sie bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder der Hebamme belassen werden.
Beobachtung
Beobachte kontinuierlich:
- Atmung,
- Hautfarbe,
- Bewegungen,
- Reaktion des Kindes.
Wenn das Baby nicht normal atmet
- Atmet das Neugeborene nicht oder nur schnappend (Schnappatmung), beginne sofort mit der Neugeborenen-Wiederbelebung.
- Öffne die Atemwege vorsichtig durch eine neutrale Kopfposition – der Kopf wird nicht stark überstreckt.
- Beginne mit fünf langsamen Beatmungen. Hebt sich der Brustkorb nicht, überprüfe erneut die Kopfposition und den Atemweg.
- Bleibt die Atmung aus, beginne mit der Wiederbelebung im Verhältnis 3 Herzdruckmassagen zu 1 Beatmung und setze diese bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fort.
Häufige Fehler
- Ziehe niemals am Kopf, an den Schultern oder an der Nabelschnur.
- Schlage das Baby nicht auf den Rücken oder an die Füße, damit es schreit.
- Halte das Neugeborene nicht kopfüber.
- Versuche nicht, Schleim tief aus Mund oder Nase zu entfernen.
- Kühle das Baby nicht aus – Wärme ist eine der wichtigsten Maßnahmen nach der Geburt.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn:
- die Geburt außerhalb einer Geburtsklinik beginnt,
- das Baby nicht normal atmet,
- das Kind schlaff bleibt,
- starke Blutungen bei der Mutter auftreten,
- die Nabelschnur vor dem Baby sichtbar wird,
- nur ein Körperteil des Kindes geboren wird und die Geburt nicht fortschreitet,
- Komplikationen oder Unsicherheiten bestehen.
Wann ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich?
Nach jeder außerklinischen Geburt sollten Mutter und Neugeborenes ärztlich untersucht werden – auch wenn beide einen gesunden Eindruck machen.
Was passiert im Krankenhaus?
Mutter und Kind werden gründlich untersucht. Beim Neugeborenen werden Atmung, Herzfrequenz, Körpertemperatur, Sauerstoffversorgung und der allgemeine Gesundheitszustand beurteilt. Die Nabelschnur wird steril versorgt und das Kind erhält die üblichen Neugeborenen-Untersuchungen. Die Mutter wird auf Geburtsverletzungen, Nachblutungen und die vollständige Geburt der Plazenta untersucht und entsprechend versorgt.
Merke
- Die meisten Neugeborenen beginnen nach der Geburt selbstständig zu atmen.
- Das Wichtigste sind Ruhe, Wärme und Hautkontakt zur Mutter.
- Die Nabelschnur muss nicht sofort durchtrennt werden.
- Atmet das Baby nicht normal, beginne sofort mit der Neugeborenen-Wiederbelebung.
- Bei jeder außerklinischen Geburt sollte der Rettungsdienst verständigt und Mutter sowie Kind ärztlich untersucht werden.