Herzinfarkt bei Erwachsenen
Wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird
Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) gehört zu den häufigsten lebensbedrohlichen Notfällen und stellt in Deutschland die Haupttodesursache dar. Dabei verschließt sich ein Herzkranzgefäß meist durch Kalkablagerungen und ein Blutgerinnsel, sodass ein Teil des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Ohne schnelle Behandlung sterben Herzmuskelzellen innerhalb weniger Minuten bis Stunden ab.
Je früher der Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, den Herzmuskel zu erhalten und bleibende Schäden zu vermeiden.
Was passiert im Körper?
Das Herz wird über die Herzkranzgefäße mit Sauerstoff versorgt. Reißt eine Kalkablagerung (Plaque) in einem dieser Gefäße auf, bildet sich häufig ein Blutgerinnsel, das das Gefäß teilweise oder vollständig verschließt.
Der betroffene Herzmuskel erhält keinen Sauerstoff mehr und beginnt abzusterben. Gleichzeitig kann das Herz aus dem Takt geraten. Schwere Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand sind insbesondere in den ersten Minuten bis Stunden nach Beginn des Herzinfarkts möglich.
Häufige Ursachen
Ein Herzinfarkt entsteht meist durch Arteriosklerose der Herzkranzgefäße.
Risikofaktoren sind unter anderem:
- Rauchen,
- Bluthochdruck,
- Diabetes mellitus,
- erhöhte Blutfettwerte,
- Übergewicht,
- Bewegungsmangel,
- höheres Lebensalter,
- familiäre Vorbelastung,
- chronischer Stress.
Symptome
Typische Beschwerden sind:
- starke, drückende oder brennende oder ziehende Schmerzen hinter dem Brustbein,
- Enge- oder Druckgefühl im Brustkorb,
- Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken oder rechten Arm, beide Arme, Schulter, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch,
- Atemnot,
- kalter Schweiß,
- Übelkeit oder Erbrechen,
- starke Schwäche,
- Blässe,
- Angst oder Todesangst.
Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes können die Beschwerden untypisch sein oder sogar fehlen. Häufig stehen Atemnot, starke Erschöpfung, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden oder Rückenschmerzen im Vordergrund.
Erste Hilfe
Wähle sofort den Notruf 112.
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- Lasse die betroffene Person nicht allein.
- Beruhige sie und vermeide jede körperliche Anstrengung.
- Hilf ihr in eine bequeme, aufrechte Oberkörperposition, sofern dies angenehm ist. Diese Haltung entlastet das Herz und erleichtert die Atmung.
- Lockere enge Kleidung.
- Beobachte Atmung und Bewusstsein bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
- Hat die betroffene Person ein ärztlich verordnetes Nitroglycerin-Spray oder Nitroglycerin-Kapseln und kennt deren Anwendung, unterstütze sie dabei. Gib jedoch keine Medikamente, die der Person nicht ausdrücklich verordnet wurden.
Wird die Person bewusstlos, kontrolliere sofort die Atmung.
- Atmet sie normal, bringe sie in die stabile Seitenlage.
- Atmet sie nicht normal oder gar nicht, beginne sofort mit der Wiederbelebung (30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen) und lasse möglichst einen AED holen.
Häufige Fehler
- Ein häufiger Fehler ist es, die Beschwerden als Muskelverspannung oder Magenproblem abzutun und abzuwarten.
- Lasse die betroffene Person nicht selbst mit dem Auto ins Krankenhaus fahren.
- Gib keine Speisen oder Getränke.
- Verabreiche nicht eigenständig Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin®️). Obwohl ASS bei vielen Herzinfarkten Bestandteil der Behandlung ist, kann es bei anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden – beispielsweise einer Aortendissektion oder bestimmten Blutungen – schaden. Die Gabe sollte deshalb nach Möglichkeit durch den Rettungsdienst oder nach ärztlicher Anweisung erfolgen.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Bei jedem Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notruf 112 wählen.
Dies gilt insbesondere bei:
- plötzlich aufgetretene Brustschmerzen
- Druck- oder Engegefühl im Brustkorb,
- Ausstrahlung der Schmerzen,
- Atemnot,
- kaltem Schweiß,
- Übelkeit,
- plötzlicher starker Schwäche,
- Bewusstlosigkeit.
Wann sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen?
Auch Beschwerden, die sich wieder bessern, sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden. Hinter vorübergehenden Brustschmerzen kann eine instabile Angina pectoris oder ein beginnender Herzinfarkt stecken oder verschiedene andere Erkrankungen.
Was passiert im Krankenhaus?
Bereits im Rettungswagen werden meist ein EKG geschrieben, die Sauerstoffversorgung überwacht und – je nach Situation – Medikamente verabreicht. Im Krankenhaus erfolgen Blutuntersuchungen, insbesondere auf Herzenzyme (Troponin), sowie weitere EKG und häufig eine Ultraschalluntersuchung des Herzens.
Die wichtigste Behandlung ist eine Herzkatheteruntersuchung. Dabei wird das verschlossene Herzkranzgefäß zunächst mot Kontrastmittel dargestellt und mit einem Ballon wieder eröffnet und in der Regel ein Stent eingesetzt, damit das Gefäß offen bleibt. Anschließend folgen Medikamente zur Blutverdünnung und eine engmaschige Überwachung auf einer Herz- oder Intensivstation.
Merke
- Ein Herzinfarkt ist ein lebensbedrohlicher Notfall – jede Minute zählt.
- Starke Brustschmerzen mit Ausstrahlung, Atemnot und kalter Schweiß sind typische Warnzeichen.
- Die betroffene Person sollte sich möglichst wenig bewegen und nicht allein gelassen werden.
- Bei Bewusstlosigkeit sofort Atmung kontrollieren und gegebenenfalls mit der Wiederbelebung beginnen.
- Bei jedem Verdacht auf einen Herzinfarkt gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.