Rauchgas / Reizgase

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Rauchgas / Reizgase

Reizgas- und Rauchgasvergiftung bei Erwachsenen

 

Wenn giftige Gase die Atmung gefährden

Rauch und Reizgase können die Atemwege, die Lunge und den gesamten Körper schwer schädigen. Sie entstehen unter anderem bei Bränden, durch austretende Chemikalien oder beim unsachgemäßen Umgang mit Reizstoffen wie Pfefferspray oder Tränengas. Besonders gefährlich ist, dass einige Gase – beispielsweise Kohlenmonoxid – weder gesehen noch gerochen werden können.

Auch wenn die Beschwerden zunächst mild erscheinen, können sich lebensbedrohliche Komplikationen erst Stunden später entwickeln. Deshalb sollte jede stärkere Rauch- oder Reizgasexposition ernst genommen werden.

 

Was passiert im Körper?

Rauch enthält eine Vielzahl giftiger Stoffe. Diese reizen die Schleimhäute und können zu Schwellungen der Atemwege führen. Gleichzeitig gelangen giftige Gase in die Lunge und von dort in den Blutkreislauf.

Besonders gefährlich ist Kohlenmonoxid (CO). Es entsteht bei unvollständigen Verbrennungen, ist geruchlos und nicht sichtbar. Es bindet etwa 200- bis 250-mal stärker an den roten Blutfarbstoff als Sauerstoff. Dadurch kann der Körper trotz normaler Atmung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Reizgase wie Chlor, Ammoniak oder Pfefferspray reizen vor allem Augen, Nase, Rachen und Bronchien. Bei hoher Konzentration können sie schwere Lungenschäden verursachen.

 

Häufige Ursachen

Rauch- und Reizgasvergiftungen entstehen häufig durch:

  • Wohnungs- oder Gebäudebrände,
  • Grillen oder Heizen mit Holzkohle in geschlossenen Räumen,
  • defekte Heizungsanlagen,
  • Brände in Garagen oder Fahrzeugen,
  • Pfefferspray oder Tränengas,
  • austretendes Chlor oder Ammoniak,
  • Industrie- oder Arbeitsunfälle,
  • das Einatmen dichter Rauchentwicklung.

 

Symptome

Je nach Art und Menge des Gases können auftreten:

  • Husten,
  • Heiserkeit,
  • Halsschmerzen,
  • Brennen in Augen, Nase oder Rachen,
  • Atemnot, blaue Hautfarbe
  • pfeifende Atmung,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit oder Erbrechen,
  • Benommenheit,
  • Verwirrtheit,
  • Brustschmerzen,
  • Bewusstlosigkeit.

 

Achte: bei Vergiftungen mit Kohlenmonoxid kann die Haut auch rosig und nicht bläulich aussehen! Trotzdem besteht im Körper ein schwerer Sauerstoffmangel!!

 

Warnzeichen für eine schwere Rauchgasvergiftung sind:

  • Ruß im Mund oder an der Nase,
  • versengte Nasenhaare,
  • starke Heiserkeit,
  • zunehmende Atemnot,
  • Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit,
  • Krampfanfälle.

 

Erste Hilfe

    • Bringe dich niemals selbst in Gefahr. Betritt verrauchte oder mit Gas gefüllte Räume nur, wenn dies sicher möglich ist.
    • Bringe die betroffene Person möglichst rasch an die frische Luft.
    • Wähle frühzeitig den Notruf 112.
    • Lockere enge Kleidung und beruhige die betroffene Person.
    • Lass sie möglichst aufrecht sitzen, wenn ihr das Atmen dadurch leichter fällt.
    • Bei Kontakt mit Pfefferspray oder anderen Reizstoffen in den Augen spüle die Augen sofort mindestens 15 bis 20 Minuten mit reichlich sauberem, handwarmem Wasser.
    • Entferne kontaminierte Kleidung vorsichtig und wasche betroffene Hautstellen gründlich mit Wasser und milder Seife.

 

Beobachte Atmung und Bewusstsein kontinuierlich.

  • Ist die betroffene Person bewusstlos, atmet aber normal, bringe sie in die stabile Seitenlage.
  • Atmet sie nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und lasse möglichst einen AED holen.

 

Häufige Fehler

  • Betritt niemals einen verrauchten Raum ohne Eigenschutz.
  • Unterschätze Rauchgasvergiftungen nicht, auch wenn sich die betroffene Person zunächst wieder besser fühlt.
  • Gib keine Getränke, wenn Atemnot oder Bewusstseinsstörungen bestehen.
  • Verwende bei Pfefferspray oder chemischen Reizstoffen keine Salben oder Hausmittel in den Augen.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • Rauch aus einem Brand eingeatmet wurde,
  • der Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung besteht,
  • Atemnot auftritt,
  • Heiserkeit oder Schluckbeschwerden nach einem Brand bestehen,
  • Ruß im Mund oder an der Nase sichtbar ist,
  • Bewusstseinsstörungen auftreten,
  • Krampfanfälle auftreten,
  • starke Reizgasexposition stattgefunden hat.

 

Wann sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll nach jeder stärkeren Rauch- oder Reizgasexposition – auch wenn die Beschwerden zunächst gering erscheinen. Einige Lungenschäden entwickeln sich erst verzögert innerhalb der nächsten Stunden.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Im Krankenhaus werden Atmung, Sauerstoffsättigung und Kreislauf überwacht. Häufig erfolgen Blutuntersuchungen, eine Blutgasanalyse sowie die Bestimmung des Kohlenmonoxid-Hämoglobins (CO-Hb). Je nach Beschwerden werden Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie der Lunge durchgeführt. Die Behandlung umfasst hochdosierten Sauerstoff, gegebenenfalls eine Beatmung und – bei schweren Kohlenmonoxidvergiftungen – in ausgewählten Fällen eine Therapie in einer Druckkammer (hyperbare Sauerstofftherapie). Bei Verätzungen oder schweren Reizungen der Atemwege erfolgt zusätzlich eine spezielle intensivmedizinische Behandlung.

 

Merke

  • Rauch- und Reizgase können auch ohne sichtbare Verletzungen lebensgefährlich sein.
  • Eigenschutz hat immer Vorrang – betrete keine gefährlichen Bereiche.
  • Bringe die betroffene Person schnell an die frische Luft und alarmiere frühzeitig den Rettungsdienst.
  • Augen nach Kontakt mit Reizgas sofort mindestens 15 bis 20 Minuten mit Wasser spülen.
  • Bei Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder Verdacht auf eine Rauchgas- oder Kohlenmonoxidvergiftung gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

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