Warum Ertrinken so gefährlich ist
Ertrinken gehört zu den häufigsten tödlichen Unfallursachen im Kindesalter. Besonders Säuglinge und Kleinkinder können bereits in wenigen Zentimetern Wasser ertrinken – beispielsweise in der Badewanne, einem Planschbecken, Gartenteich, Eimer oder Pool. Anders als oft dargestellt verläuft Ertrinken meist in dieser Altersklasse meist still und unbemerkt. Kinder rufen dabei in der Regel nicht um Hilfe.
Gelangt Wasser in die Atemwege, kommt es zu einem Sauerstoffmangel. Altersabhängig können schon nach Sekunden bis Minuten schwere Hirnschäden entstehen. Gleichzeitig kühlt der Körper im Wasser rasch aus, sodass zusätzlich eine Unterkühlung auftreten kann.
Symptome richtig erkennen
Ein Kind, das beinahe ertrunken ist, kann husten, würgen oder Wasser erbrechen. Die Atmung kann angestrengt, flach oder unregelmäßig sein. Manchmal reagiert das Kind kaum noch oder verliert das Bewusstsein.
Alarmzeichen sind blasse oder bläuliche Haut – insbesondere an Lippen und Fingern –, Atemnot, auffällige Müdigkeit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit.
Bei einer Unterkühlung friert dein Kind zunächst und beginnt zu zittern. Mit zunehmender Unterkühlung lässt das Zittern nach. Das Kind wird schläfrig, teilnahmslos und reagiert immer schlechter. Das sind Anzeichen für einen medizinischen Notfall.
Erste Hilfe
Bringe dein Kind sofort aus dem Wasser und achte dabei auf deine eigene Sicherheit.
Überprüfe unmittelbar, ob dein Kind ansprechbar ist und normal atmet.
Ist dein Kind bewusstlos, aber atmet es normal, entferne nasse Kleidung, trockne es vorsichtig ab und halte es mit Decken oder Handtüchern warm. Bewege dein Kind dabei möglichst wenig, wenn eine starke Unterkühlung vermutet wird. Lege das Kind bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung in die Stabile Seitenlage.
Atmet dein Kind nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung. Nach den aktuellen Leitlinien startest du bei Kindern zunächst mit fünf Beatmungen, da der Sauerstoffmangel die Ursache des Kreislaufstillstands ist. Anschließend folgen 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen im Wechsel, bis professionelle Hilfe übernimmt oder dein Kind wieder normal atmet.
Versuche nicht, Wasser aus der Lunge oder dem Magen zu entfernen, indem du dein Kind kopfüber hältst oder auf den Rücken schlägst. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren und die Wiederbelebung wird verzögert.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
War dein Kind nur sehr kurz im Wasser, hat es nicht gehustet, kein Wasser eingeatmet, zeigt keine Atembeschwerden und verhält sich anschließend völlig unauffällig, sollte es dennoch zeitnah kinderärztlich untersucht werden, wenn Unsicherheit besteht oder eine leichte Unterkühlung vorliegt.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe nach jedem Beinahe-Ertrinken sofort den Rettungsdienst unter 112, auch wenn dein Kind zunächst wieder einen guten Eindruck macht. Beschwerden können sich verzögert entwickeln.
Der Rettungsdienst ist immer erforderlich, wenn dein Kind bewusstlos ist oder war, Wasser eingeatmet hat, hustet, Atemnot zeigt, auffällig schläfrig oder verwirrt ist oder sich die Haut blass oder bläulich verfärbt.
Auch bei einer ausgeprägten Unterkühlung, anhaltendem Zittern, fehlendem Zittern trotz kalter Haut, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
Atmet dein Kind nicht normal oder zeigt es keine Lebenszeichen, beginne unverzüglich mit der Wiederbelebung und folge den telefonischen Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Ertrinken und Unterkühlung vorbeugen
Lasse dein Kind am und im Wasser niemals unbeaufsichtigt – auch nicht für wenige Sekunden. Bereits wenige Zentimeter Wasser können für Säuglinge und Kleinkinder lebensgefährlich sein. Leere Planschbecken, Eimer und Wannen sofort nach der Benutzung und sichere Gartenteiche und Pools mit geeigneten Zäunen oder Abdeckungen.
Schwimmhilfen ersetzen niemals die Aufsicht durch Erwachsene. Bringe deinem Kind möglichst früh das Schwimmen bei und achte darauf, dass es am Wasser stets von einer aufmerksamen erwachsenen Person begleitet wird.