Genitalprobleme –
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Warum Genitalprobleme ernst genommen werden sollten
Beschwerden oder Verletzungen im Intimbereich deines Kindes sind für Eltern oft sehr beunruhigend. Zum Glück stecken häufig harmlose Ursachen wie kleine Verletzungen oder Entzündungen dahinter. Es gibt jedoch Situationen, in denen schnelles Handeln entscheidend ist. Besonders eine Hodentorsion (Hodenverdrehung) kann innerhalb weniger Stunden zu einem dauerhaften Verlust des Hodens führen und ist ein absoluter medizinischer Notfall.
Häufige Ursachen
Genitalbeschwerden können viele Ursachen haben. Dazu gehören Entzündungen der Vorhaut, Eichel oder Scheide, kleine Verletzungen nach Stürzen, Reizungen durch Windeln oder ungeeignete Pflegeprodukte sowie Fremdkörper, die Kinder aus Neugier in die Scheide oder Harnröhrenöffnung einführen.
Bei Jungen kann außerdem eine Hodentorsion auftreten. Dabei dreht sich der Hoden um seinen Samenstrang und wird nicht mehr ausreichend durchblutet. Auch eine schmerzhafte Einklemmung der Vorhaut (Paraphimose) oder Verletzungen nach einem Schlag oder Tritt gegen den Genitalbereich können eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich machen.
Symptome richtig erkennen
Achte auf Schmerzen, Rötungen, Schwellungen oder Blutungen im Genitalbereich. Manche Kinder klagen über Schmerzen beim Wasserlassen oder verweigern das Wasserlassen ganz. Übel riechender Ausfluss, Juckreiz oder wiederkehrende Entzündungen können auf einen Fremdkörper oder eine Infektion hinweisen.
Bei Jungen sind plötzlich einsetzende starke Hodenschmerzen, ein geröteter oder geschwollener Hodensack, ein hochstehender Hoden sowie Übelkeit oder Erbrechen besonders alarmierend. Säuglinge zeigen häufig nur anhaltendes, schrilles Schreien, ziehen die Beine an und lassen sich kaum beruhigen.
Erste Hilfe
Bewahre Ruhe und untersuche den Intimbereich nur vorsichtig. Reinige oberflächliche Verletzungen mit sauberem, lauwarmem Wasser und decke blutende Wunden mit einer sterilen Kompresse ab. Übe bei stärkeren äußeren Blutungen vorsichtig Druck auf die Wunde aus.
Versuche niemals, eine verklemmte Vorhaut zurückzuziehen oder einen Fremdkörper aus Scheide oder Harnröhre selbst zu entfernen. Dadurch können zusätzliche Verletzungen entstehen.
Hat dein Kind einen Schlag oder Sturz auf den Genitalbereich erlitten, lasse es sich ausruhen und beobachte es aufmerksam. Nehmen Schmerzen oder Schwellungen zu oder treten Blutungen auf, sollte dein Kind umgehend ärztlich untersucht werden.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
Eine kinderärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei Rötungen, Schwellungen, Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen oder wiederkehrenden Beschwerden im Genitalbereich. Auch kleinere Verletzungen, Blutungen oder der Verdacht auf einen Fremdkörper sollten ärztlich abgeklärt werden.
Kann die Vorhaut nach dem Zurückziehen nicht wieder nach vorne geschoben werden oder entwickelt sich eine zunehmende Schwellung, sollte dein Kind sofort in einer Kinderklinik vorgestellt werden.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn dein Kind plötzlich stärkste Hodenschmerzen entwickelt oder der Hodensack innerhalb kurzer Zeit anschwillt oder sich rötet. Jede Minute zählt, da eine Hodentorsion möglichst innerhalb von 4 bis 6 Stunden behandelt werden sollte, um den Hoden zu erhalten.
Alarmzeichen sind außerdem starke Schmerzen nach einem heftigen Schlag oder Tritt gegen den Genitalbereich, starke oder nicht stillbare Blutungen, Blut aus der Harnröhre oder wenn dein Kind nach einer Verletzung keinen Urin mehr lassen kann.
Auch bei blasser Haut, kaltem Schweiß, Teilnahmslosigkeit, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörungen nach einer Verletzung des Genitalbereichs muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden.
Genitalproblemen vorbeugen
Eine sanfte Intimpflege mit Wasser oder milden, unparfümierten Produkten reicht meist völlig aus. Die Vorhaut sollte bei kleinen Jungen niemals gewaltsam zurückgezogen werden, sondern nur so weit bewegt werden, wie sie sich von selbst lösen lässt. Sprich altersgerecht mit deinem Kind darüber, dass kleine Gegenstände nicht in Körperöffnungen eingeführt werden dürfen. So lassen sich viele Verletzungen und Entzündungen vermeiden.