Kopfverletzung und Gehirnerschütterung –
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Kopfverletzungen gehören zu den häufigsten Unfallverletzungen im Säuglings- und Kindesalter. Sie entstehen meist durch Stürze vom Wickeltisch, Bett oder Sofa, beim Laufenlernen, Klettern, Spielen oder Fahrradfahren. In den meisten Fällen handelt es sich um leichte Verletzungen ohne bleibende Folgen. Dennoch kann auch nach einem zunächst harmlos wirkenden Sturz eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) oder – deutlich seltener – eine schwerere Schädel-Hirn-Verletzung vorliegen. Deshalb ist nach jeder Kopfverletzung eine sorgfältige Beobachtung wichtig.
Häufige Ursachen
Die häufigsten Ursachen richten sich nach dem Alter des Kindes. Säuglinge stürzen häufig vom Wickeltisch, Bett oder Sofa, wenn sie sich plötzlich drehen oder rollen. Kleinkinder verletzen sich meist beim Laufenlernen, Klettern, Toben oder durch Zusammenstöße mit Möbeln. Im Kindergarten- und Schulalter kommen Fahrrad-, Roller- und Sportunfälle hinzu. Da der Kopf bei kleinen Kindern im Verhältnis zum Körper größer und schwerer ist als bei Erwachsenen, trifft er bei einem Sturz häufig zuerst auf den Boden.
Symptome richtig erkennen
Eine Gehirnerschütterung kann sich unmittelbar nach dem Unfall oder erst innerhalb der nächsten Stunden bemerkbar machen. Typische Beschwerden sind Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Manche Kinder wirken ungewöhnlich ruhig, schläfrig, reizbar oder können sich schlechter konzentrieren. Säuglinge fallen häufig durch anhaltendes Weinen, Trinkverweigerung, Teilnahmslosigkeit oder eine auffällige Wesensveränderung auf.
Eine Beule oder Schwellung an der Kopfhaut ist häufig und bedeutet nicht automatisch, dass eine schwere Verletzung vorliegt. Auch eine Platzwunde kann aufgrund der guten Durchblutung der Kopfhaut stark bluten, ohne dass das Gehirn verletzt wurde. Dennoch sollte jede Kopfverletzung aufmerksam beobachtet werden.
Erste Hilfe
Bleibe ruhig und beruhige dein Kind. Überprüfe zunächst, ob dein Kind ansprechbar ist und normal atmet. Ist dein Kind bewusstlos, atmet aber normal, bringe es in die stabile Seitenlage und rufe den Rettungsdienst unter 112. Atmet dein Kind nicht oder nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung.
Ist dein Kind wach und ansprechbar, kühle Schwellungen mit einem Kühlpack oder einem kalten Waschlappen, der in ein Tuch eingewickelt ist. Offene Wunden sollten mit einer sterilen Kompresse abgedeckt werden. Übe bei einer stark blutenden Wunde vorsichtig Druck auf die Wunde aus, um die Blutung zu stillen. Vermeide unnötige Bewegungen des Kopfes und beobachte dein Kind in den folgenden 24 bis 48 Stunden aufmerksam.
Nach einer Gehirnerschütterung benötigt das Gehirn Erholung. Körperliche Belastungen, wildes Toben sowie intensive Bildschirmzeiten sollten zunächst vermieden werden. Erst wenn dein Kind vollständig beschwerdefrei ist, sollte es schrittweise wieder zu seinen normalen Aktivitäten zurückkehren.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
Eine kinderärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn dein Kind jünger als zwölf Monate ist, der Unfallhergang unklar ist oder der Sturz aus größerer Höhe erfolgte. Auch eine große oder schnell zunehmende Schwellung, anhaltende Kopfschmerzen, einmaliges Erbrechen, Schwindel, Benommenheit oder eine auffällige Verhaltensänderung sollten ärztlich abgeklärt werden. Gleiches gilt, wenn du dein Kind nach dem Unfall nicht wie gewohnt einschätzen kannst oder die Beschwerden zunehmen.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn dein Kind bewusstlos war oder nicht normal reagiert, wiederholt erbricht, einen Krampfanfall entwickelt oder Atemprobleme hat. Weitere Warnzeichen sind zunehmende Schläfrigkeit, starke Verwirrtheit, auffällige Wesensveränderungen, Lähmungen, Gang- oder Gleichgewichtsstörungen, unterschiedlich große Pupillen sowie Blut oder klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohren. Diese Symptome können auf eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung hinweisen und müssen umgehend in einer geeigneten Klinik untersucht werden.
Kopfverletzungen vorbeugen
Viele Kopfverletzungen lassen sich vermeiden. Lasse dein Baby niemals unbeaufsichtigt auf erhöhten Flächen liegen und sichere Wickeltisch, Treppen und Fenster mit geeigneten Schutzvorrichtungen. Achte darauf, dass dein Kind beim Fahrrad-, Roller-, Laufrad- oder Skifahren immer einen gut sitzenden Helm trägt. Auf Spielplätzen sollten Spielgeräte dem Alter deines Kindes entsprechen und unter Aufsicht genutzt werden. Bereits einfache Schutzmaßnahmen können das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich reduzieren.