Schreianfall bei Säuglingen und Kleinkindern
Die Sprache der Kleinsten: Warum dein Kind weint
Wenn dein Baby oder Kleinkind plötzlich untröstlich weint, kann das sehr belastend sein. Gerade in den ersten Lebensjahren ist Schreien jedoch die wichtigste Form der Kommunikation. Dein Kind macht damit auf Hunger, Durst, Müdigkeit, eine volle Windel oder das Bedürfnis nach Nähe aufmerksam. Auch Überreizung, Zahnen oder Blähungen können dahinterstecken.
Manchmal ist anhaltendes Schreien aber auch ein Zeichen für Schmerzen oder eine Erkrankung. Deshalb solltest du dein Kind aufmerksam beobachten und nach einer möglichen Ursache suchen.
Bewahre Ruhe. Deine Ruhe überträgt sich auf dein Kind. Bleibe bei ihm, sprich ruhig und liebevoll mit ihm und vermittle Geborgenheit. Für dein Kind bist du in dieser Situation die wichtigste Bezugsperson.
Symptome richtig deuten
Neben dem Schreien können weitere Anzeichen auftreten:
- geballte Fäuste,
- angezogene Beine,
- ein gerötetes Gesicht,
- Überstrecken des Körpers,
- Trinkverweigerung,
- Fieber,
- Erbrechen,
- ungewöhnliche Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit.
Greift dein Kind immer wieder ans Ohr oder reibt daran, können Ohrenschmerzen oder eine Mittelohrentzündung die Ursache sein.
Untersuche außerdem Finger, Zehen und den Genitalbereich sorgfältig. Ein einzelnes Haar oder ein dünner Faden kann sich dort fest einschnüren (Hair-Tourniquet-Syndrom) und starke Schmerzen verursachen.
Manche Kinder halten nach Schmerz, Schreck oder großer Wut kurz die Luft an (Affektkrampf). Sie können dabei blau oder blass werden oder für wenige Sekunden das Bewusstsein verlieren. Das wirkt erschreckend, endet aber meist rasch von selbst.
Erste Hilfe
Bewahre Ruhe und bleibe bei deinem Kind.
Prüfe zunächst die Grundbedürfnisse:
-
- Hat dein Kind Hunger oder Durst?
- Ist die Windel voll?
- Ist ihm zu warm oder zu kalt?
- Ist es müde oder überreizt?
- Braucht es Körperkontakt oder Nähe?
- Untersuche dein Kind anschließend von Kopf bis Fuß. Kontrolliere Augen, Mund, Ohren, Finger, Zehen, den Genitalbereich sowie den Bauch. Achte auf Verletzungen, Schwellungen, Insektenstiche oder eingeschnürte Haare und Fäden.
- Bei einem Affektkrampf bleibe ruhig und schütze dein Kind vor Verletzungen. Der Anfall hört meist nach wenigen Sekunden von selbst auf.
- Schüttle dein Kind niemals. Wenn dich das Schreien überfordert, lege dein Kind sicher in sein Bettchen und verlasse den Raum für einen kurzen Moment. Atme tief durch und hole dir Unterstützung. Bereits wenige Sekunden heftigen Schüttelns können lebensgefährliche Hirnverletzungen verursachen.
- Atmet dein Kind nicht normal, rufe sofort den Notruf 112 und beginne unverzüglich mit der Wiederbelebung.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Rufe sofort den Notruf 112, wenn:
- dein Kind nicht normal atmet,
- dein Kind nicht ansprechbar oder bewusstlos ist,
- Krampfanfälle auftreten,
- dein Kind sich plötzlich ungewöhnlich verhält,
- starke Schmerzen vermutet werden,
- nach einem Sturz oder Unfall untröstliches Schreien auftritt,
- Lippen oder Haut blau anlaufen,
- du eine schwere Verletzung oder Erkrankung vermutest.
Wann sollte dein Kind kinderärztlich untersucht werden?
Lass dein Kind kinderärztlich untersuchen, wenn:
- das Schreien ungewöhnlich oder anhaltend ist,
- Fieber, Erbrechen oder Trinkverweigerung auftreten,
- Ohrenschmerzen vermutet werden,
- der Verdacht auf ein Hair-Tourniquet-Syndrom besteht,
- dein Kind seinen ersten Affektkrampf hatte,
- keine Ursache erkennbar ist.
Säuglinge solltest du bei ungewöhnlichem oder anhaltendem Schreien grundsätzlich großzügig kinderärztlich untersuchen lassen.
Wenn du unsicher bist oder dir Sorgen machst, lass dein Kind immer kinderärztlich untersuchen. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig.
So kannst du vorbeugen
Reagiere möglichst früh auf die Bedürfnisse deines Kindes und plane ausreichend Ruhephasen ein. Kontrolliere regelmäßig Finger, Zehen und den Genitalbereich auf eingeschnürte Haare oder Fäden – besonders nach dem Baden oder Anziehen. Wenn dich das Schreien belastet, hole dir frühzeitig Unterstützung durch Familie, Freunde, deine Hebamme oder die Kinderarztpraxis.
Merke
- Bewahre Ruhe – deine Ruhe überträgt sich auf dein Kind.
- Untersuche dein Kind bei untröstlichem Schreien immer sorgfältig von Kopf bis Fuß.
- Atmet dein Kind nicht normal, rufe sofort den Notruf 112 und beginne unverzüglich mit der Wiederbelebung.
- Säuglinge und Kinder, bei denen Unsicherheit besteht, solltest du immer kinderärztlich untersuchen lassen.
- Du kennst dein Kind am besten. Vertraue deinem Bauchgefühl. Wenn dir etwas Sorgen bereitet oder dein Kind sich anders verhält als sonst, hole lieber einmal zu früh als einmal zu spät medizinische Hilfe.