Warum Stromunfälle so gefährlich sind
Stromunfälle im Haushalt entstehen meist durch Steckdosen, beschädigte Kabel oder Elektrogeräte. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet, weil sie ihre Umgebung mit den Händen und dem Mund erkunden. Typische Ursachen sind das Hineinstecken von Gegenständen in Steckdosen, das Kauen auf Ladekabeln oder defekte elektrische Geräte.
Auch Haushaltsstrom (230 Volt) kann lebensgefährlich sein. Der Strom kann nicht nur zu Verbrennungen der Haut führen, sondern auch Herz, Muskeln und Nerven schädigen. Selbst wenn äußerlich kaum Verletzungen sichtbar sind, können im Körper ernsthafte Schäden entstanden sein.
Symptome richtig erkennen
Nach einem Stromunfall können kleine Verbrennungen an Händen, Fingern oder im Mund auffallen. Manche Kinder klagen über Schmerzen oder Kribbeln und erschrecken sich stark.
Gefährlicher sind Beschwerden wie Bewusstlosigkeit, Muskelkrämpfe, Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot oder Krampfanfälle. Auch Blässe, kalter Schweiß, zunehmende Schläfrigkeit oder Teilnahmslosigkeit können auf eine ernsthafte Verletzung hinweisen. Rhythmusstörungen und Herzprobleme können auch Tage später und damit zeitverzögert auftreten.
Bei einem Sturz infolge des Stromschlags können zusätzlich Knochenbrüche oder Kopfverletzungen entstanden sein.
Erste Hilfe
Bringe dich niemals selbst in Gefahr. Berühre dein Kind erst, wenn die Stromquelle sicher ausgeschaltet ist.
Unterbrich den Strom, indem du die Sicherung ausschaltest oder den Netzstecker ziehst. Ist dies nicht sofort möglich, trenne dein Kind mit einem trockenen, nicht leitenden Gegenstand – beispielsweise einem Holzbesenstiel – von der Stromquelle.
Überprüfe anschließend sofort Bewusstsein und Atmung.
Atmet dein Kind normal, beruhige es und versorge sichtbare Verbrennungen. Kühle kleinere Verbrennungen mit handwarmem bis leicht kühlem Leitungswasser etwa 20 Minuten, sofern keine großflächigen Verletzungen oder eine Unterkühlung drohen. Decke die Verletzung anschließend locker mit einer sterilen, nicht haftenden Wundauflage oder Frischhaltefolie ab. Trage keine Salben, Puder oder Hausmittel auf.
Ist dein Kind bewusstlos, atmet aber normal, bringe es in die stabile Seitenlage und überwache die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Atmet dein Kind nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und folge den Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
Nach jedem Stromunfall mit Haushaltsstrom sollte dein Kind noch am selben Tag ärztlich untersucht werden – auch wenn es zunächst unverletzt wirkt. Der Kinderarzt oder die Kinderklinik entscheidet anhand des Unfallhergangs und der Beschwerden, ob weitere Untersuchungen, beispielsweise ein EKG, erforderlich sind.
Auch kleinere Verbrennungen im Mund oder an den Händen sollten ärztlich kontrolliert werden.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn dein Kind bewusstlos ist, nicht normal atmet oder einen Krampfanfall erleidet.
Auch Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Herzstolpern, starke Schmerzen, ausgedehnte Verbrennungen, auffällige Blässe, kalter Schweiß, zunehmende Teilnahmslosigkeit oder Bewusstseinsstörungen sind Warnzeichen eines medizinischen Notfalls.
Alarmiere den Rettungsdienst ebenfalls, wenn dein Kind nach dem Stromschlag gestürzt ist und der Verdacht auf eine Kopf-, Wirbelsäulen- oder Knochenverletzung besteht.
Stromunfällen vorbeugen