Sturz –
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Warum Stürze so häufig sind
Stürze gehören zu den häufigsten Unfällen im Säuglings- und Kleinkindalter. Mit jedem Entwicklungsschritt verändern sich auch die Unfallrisiken. Säuglinge können sich plötzlich drehen und vom Wickeltisch, Sofa oder Bett stürzen. Kleinkinder fallen häufig beim Laufenlernen, Klettern oder Treppensteigen.
Die meisten Stürze verlaufen glimpflich. Dennoch können Kopfverletzungen, Knochenbrüche oder innere Verletzungen entstehen. Deshalb ist es wichtig, dein Kind nach einem Sturz aufmerksam zu beobachten.
Merke: Es gibt keine Sturzhöhe, ab der ein Sturz grundsätzlich harmlos oder gefährlich ist. Entscheidend sind Alter, Sturzhöhe, Untergrund, Aufprallstelle und der Zustand deines Kindes. Das Verletzungsrisiko steigt jedoch mit der Sturzhöhe deutlich an.
Symptome richtig erkennen
Viele Kinder weinen unmittelbar nach einem Sturz und lassen sich nach kurzer Zeit wieder beruhigen. Eine Beule oder ein Bluterguss sieht oft dramatisch aus, ist aber meist harmlos.
Achte besonders auf Warnzeichen einer Kopfverletzung. Dazu gehören Bewusstlosigkeit – auch wenn sie nur kurz anhält –, wiederholtes Erbrechen, zunehmende Schläfrigkeit, starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder wenn dein Kind sich ungewöhnlich verhält.
Alarmzeichen sind außerdem Blut oder klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohren, unterschiedlich große Pupillen, Gleichgewichtsstörungen oder wenn dein Kind einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen oder belasten möchte.
Erste Hilfe
Bleibe ruhig und tröste dein Kind.
Untersuche dein Kind von Kopf bis Fuß auf sichtbare Verletzungen und beobachte, ob es sich altersentsprechend verhält.
Kühle Beulen oder Prellungen 10 bis 20 Minuten mit einem Kühlpack, das in ein Tuch eingewickelt ist, oder mit einem feuchten, kühlen Tuch. Lege Eis niemals direkt auf die Haut.
Kleine Schürfwunden kannst du mit sauberem Wasser reinigen und anschließend mit einem Pflaster oder einer sterilen Wundauflage versorgen. Bei stärkeren Blutungen übe direkten Druck auf die Wunde aus.
Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule oder klagt dein Kind über starke Schmerzen im Nacken oder Rücken, bewege es möglichst nicht und warte auf den Rettungsdienst.
Beobachte dein Kind nach einem Sturz auf den Kopf in den folgenden 24 bis 48 Stunden besonders aufmerksam. Es darf schlafen, sollte sich aber normal wecken lassen und sich altersentsprechend verhalten.
Wann dein Kind zum Kinderarzt sollte
Eine kinderärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn dein Kind nach einem Sturz über Kopfschmerzen klagt, eine größere Beule entwickelt oder sich ungewöhnlich verhält.
Säuglinge unter einem Jahr sollten nach einem Sturz aus etwa einem Meter Höhe oder mehr – beispielsweise vom Wickeltisch, Hochstuhl oder einer Kommode – ärztlich untersucht werden, auch wenn sie zunächst unauffällig erscheinen. Bei älteren Kindern sollte ein Sturz aus mehr als etwa 1,5 Metern Höhe ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.
Auch anhaltende Schmerzen, Schwellungen, Blutergüsse oder wenn dein Kind einen Arm oder ein Bein nicht normal benutzt, sollten ärztlich untersucht werden.
Vertraue immer auch deinem Bauchgefühl. Wenn dir dein Kind nach einem Sturz anders vorkommt als sonst oder du dir Sorgen machst, solltest du es ärztlich untersuchen lassen – auch wenn keine eindeutigen Warnzeichen vorliegen.
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn dein Kind bewusstlos war oder nicht normal reagiert.
Auch wiederholtes Erbrechen, Krampfanfälle, zunehmende Schläfrigkeit, starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Atemstörungen oder Bewusstseinsstörungen sind Warnzeichen einer schweren Kopfverletzung.
Alarmiere den Rettungsdienst außerdem bei Blut oder klarer Flüssigkeit aus Nase oder Ohren, unterschiedlich großen Pupillen, offenen Schädelverletzungen, sichtbaren Fehlstellungen von Armen oder Beinen oder wenn der Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule besteht.
Zeigt dein Kind nach dem Sturz blasse oder graue Haut, kalten Schweiß, Teilnahmslosigkeit oder andere Zeichen eines Schocks, muss ebenfalls sofort der Rettungsdienst verständigt werden.
Atmet dein Kind nicht normal, beginne unverzüglich mit der Wiederbelebung und folge den Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Stürzen vorbeugen
Lasse Säuglinge niemals unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch, Sofa oder Bett liegen – auch nicht für wenige Sekunden. Sichere Treppen mit Schutzgittern und Fenster mit geeigneten Fenstersicherungen. Achte darauf, dass dein Kind beim Fahrrad-, Roller- oder Laufradfahren einen gut sitzenden Helm trägt. Mit einer sicheren Umgebung lassen sich viele schwere Stürze vermeiden.