Warum Vergiftungen und Verätzungen so gefährlich sind
Säuglinge und Kleinkinder entdecken ihre Umwelt mit allen Sinnen und nehmen viele Gegenstände in den Mund. Im Bruchteil einer Sekunde können Medikamente, Reinigungsmittel, Pflanzen oder andere gefährliche Substanzen verschluckt werden. Viele Vergiftungsunfälle verlaufen glimpflich, manche Stoffe können jedoch bereits in kleinen Mengen schwere oder lebensbedrohliche Beschwerden verursachen.
Besonders gefährlich sind ätzende Reinigungsmittel, Nikotin und E-Zigaretten-Liquids, Lampenöl, Grillanzünder, bestimmte Medikamente sowie verschluckte Knopfbatterien. Deshalb gilt: Bei jedem begründeten Verdacht auf eine Vergiftung solltest du sofort fachlichen Rat einholen.
Häufige Ursachen
Die meisten Vergiftungen geschehen im eigenen Zuhause. Häufig nehmen Kinder Medikamente, Spülmaschinen- oder Waschmitteltabs, Reinigungsmittel, Kosmetika, alkoholhaltige Produkte oder giftige Pflanzen auf. Auch Zigaretten, Nikotinbeutel, E-Zigaretten-Liquids und Duft- oder Lampenöle können hochgefährlich sein.
Stark alkalische oder saure Reiniger, beispielsweise Rohr-, Backofen- oder Grillreiniger, können Mund, Speiseröhre und Magen verätzen. Verschluckte Knopfbatterien können bereits innerhalb kurzer Zeit schwere Gewebeschäden in der Speiseröhre verursachen.
Symptome richtig erkennen
- Die Beschwerden hängen vom aufgenommenen Stoff ab. Mögliche Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, starker Speichelfluss oder Schmerzen beim Schlucken. Dein Kind kann plötzlich ungewöhnlich müde, verwirrt, unruhig oder benommen wirken, taumeln oder auffällige Pupillen haben.
- Bei einer Verätzung können Rötungen, Bläschen oder weißliche Beläge an Lippen, Zunge und Mundschleimhaut auftreten. Husten, Heiserkeit, Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche können darauf hinweisen, dass die Atemwege betroffen sind.
- Schwere Vergiftungen können zu Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen, Atemstillstand oder einem Kreislaufversagen führen. Manche gefährlichen Stoffe verursachen zunächst jedoch kaum Beschwerden. Warte deshalb nicht auf Symptome.
Erste Hilfe
- Bewahre Ruhe und entferne sichtbare Reste der Substanz vorsichtig aus dem Mund deines Kindes. Bringe dich dabei nicht selbst mit dem Stoff in Kontakt.
- Löse niemals Erbrechen aus. Ätzende oder schäumende Substanzen könnten die Speiseröhre erneut schädigen oder in die Lunge gelangen.
- Gib deinem Kind kein Wasser, keine Milch, keine Lebensmittel, keine Kohletabletten und keine anderen Hausmittel, solange dies nicht ausdrücklich von einer Giftinformationszentrale angeordnet wurde. Je nach Stoff können unterschiedliche Maßnahmen notwendig sein.
- Rufe sofort eine Giftinformationszentrale an und befolge genau deren Anweisungen. Halte dafür die Verpackung, den Produktnamen oder Pflanzenreste bereit. Wichtig sind außerdem das Alter und Gewicht deines Kindes, die vermutlich aufgenommene Menge, der Zeitpunkt des Unfalls und mögliche Beschwerden.
- Ist der Stoff auf die Haut oder in die Augen gelangt, entferne verunreinigte Kleidung und spüle die betroffene Stelle sofort ausgiebig mit sauberem, lauwarmem Wasser. Bei eingeatmeten Dämpfen bringe dein Kind an die frische Luft, ohne dich selbst zu gefährden.
Giftinformationszentralen
Bei einem Vergiftungsverdacht und einem noch stabilen, gut ansprechbaren Kind ist die Giftinformationszentrale deine wichtigste Anlaufstelle. Die Fachleute beurteilen das Risiko und erklären dir, ob dein Kind zu Hause beobachtet werden darf oder sofort medizinisch behandelt werden muss.
Deutschland
Berlin: 030 19240
Bonn: 0228 19240
Erfurt: 0361 730730
Freiburg: 0761 19240
Göttingen: 0551 19240
Mainz: 06131 19240
München: 089 19240
Österreich
Vergiftungsinformationszentrale Wien: 01 406 43 43
Aus dem Ausland: +43 1 406 43 43
Schweiz
Tox Info Suisse: 145
Aus dem Ausland: +41 44 251 51 51
Wann sofort der Rettungsdienst erforderlich ist
Rufe sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn dein Kind Atemnot hat, krampft, bewusstlos oder kaum ansprechbar ist, ungewöhnlich schläfrig wird oder Anzeichen eines Kreislaufversagens zeigt. Dazu gehören blasse oder graue Haut, kalter Schweiß, eine schnelle oder auffällig langsame Atmung und deutliche Teilnahmslosigkeit.
Auch starkes oder wiederholtes Erbrechen, Bluterbrechen, schwere Schluckbeschwerden, anhaltender Speichelfluss, starke Schmerzen im Mund, Hals oder Brustkorb sowie eine rasche Verschlechterung sind Anzeichen eines Notfalls.
Bei einem vermuteten Verschlucken einer Knopfbatterie muss dein Kind sofort in einer Kinderklinik untersucht werden. Warte nicht auf Beschwerden und gib nichts zu essen oder zu trinken.
Auch nach der Aufnahme stark ätzender Substanzen, größerer Mengen von Medikamenten, Nikotin oder E-Zigaretten-Liquid sowie bei Husten oder Atembeschwerden nach Lampenöl oder Grillanzünder ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. Bestehen bereits schwere Symptome, rufe zuerst 112. Die Giftinformationszentrale kann anschließend zusätzlich kontaktiert werden.
Atmet dein Kind nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung und folge den telefonischen Anweisungen der Rettungsleitstelle.
Vergiftungen vorbeugen
Bewahre Medikamente, Reinigungsmittel, Chemikalien, Alkohol, Nikotinprodukte und Batterien immer verschlossen und außerhalb der Reichweite deines Kindes auf. Fülle Reinigungsmittel niemals in Getränke- oder Lebensmittelbehälter um. Achte darauf, dass Batteriefächer an Spielzeug und Fernbedienungen sicher verschlossen sind. Speichere die Nummer einer Giftinformationszentrale und den Notruf 112 gut sichtbar in deinem Telefon.