Unfallstelle absichern
So schützt du dich und andere nach einem Unfall
Nach einem Verkehrsunfall oder einem anderen schweren Unfall möchtest du deinem Kind oder einer verletzten Person verständlicherweise sofort helfen. Die wichtigste Regel der Ersten Hilfe lautet jedoch: Bringe dich niemals selbst in Gefahr. Denn nur wer selbst unverletzt bleibt, kann wirksam helfen.
Das Absichern der Unfallstelle schützt nicht nur dich, sondern auch das verletzte Kind, weitere Beteiligte und nachfolgende Verkehrsteilnehmende. Oft verhindert erst eine gut abgesicherte Unfallstelle Folgeunfälle.
Warum ist das Absichern so wichtig?
Unfallstellen werden von anderen Verkehrsteilnehmenden häufig erst spät erkannt. Besonders auf Landstraßen, Autobahnen oder bei schlechter Sicht besteht die Gefahr, dass weitere Fahrzeuge in die Unfallstelle fahren.
Durch Warnblinkanlage, Warnweste und Warndreieck werden andere Verkehrsteilnehmende frühzeitig auf die Gefahr aufmerksam und können ihre Geschwindigkeit rechtzeitig reduzieren.
So sicherst du eine Unfallstelle richtig ab
1. Eigene Sicherheit
Bevor du aus deinem Fahrzeug aussteigst:
-
- Schalte die Warnblinkanlage ein.
- Ziehe eine Warnweste an.
- Achte auf den fließenden Verkehr.
Steige möglichst auf der dem Verkehr abgewandten Seite aus.
2. Unfallstelle absichern
Stelle das Warndreieck in ausreichender Entfernung auf. Die genaue Entfernung hängt von der Straße und den Sichtverhältnissen ab.
Als Orientierung gelten:
-
- innerorts: etwa 50 Meter
- Landstraße: etwa 100 Meter
- Autobahn: etwa 150 bis 400 Meter, je nach Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit der Strecke.
Gehe beim Aufstellen möglichst hinter der Leitplanke oder am Fahrbahnrand entlang.
3. Notruf 112
Sobald die Unfallstelle gesichert ist, wähle den Notruf 112 oder bitte eine andere Person darum.
Gib an:
-
- den Unfallort,
- was passiert ist,
- wie viele Personen verletzt sind,
- welche Verletzungen erkennbar sind.
Lege erst auf, wenn die Leitstelle keine weiteren Fragen mehr hat.
4. Erst dann zum verletzten Kind
Erst nachdem die Unfallstelle abgesichert wurde, kümmerst du dich um das verletzte Kind.
Prüfe:
-
- Bewusstsein,
- Atmung,
- starke Blutungen.
Leiste anschließend die erforderliche Erste Hilfe.
Besondere Gefahren
Achte auf mögliche zusätzliche Risiken wie:
- fließenden Verkehr,
- Rauch oder Feuer,
- auslaufenden Kraftstoff,
- beschädigte Elektrofahrzeuge,
- instabile Fahrzeuge,
- schlechte Sicht durch Nebel oder Dunkelheit.
Besteht eine akute Gefahr – beispielsweise durch Feuer oder ein Fahrzeug im Wasser –, muss das Kind möglichst rasch aus dem Gefahrenbereich gebracht werden.
Was ist bei Kindern besonders wichtig?
Kinder reagieren nach einem Unfall oft mit Angst, Weinen oder völliger Stille. Sprich ruhig mit ihnen und erkläre jeden Schritt. Schon deine Anwesenheit kann helfen, Panik zu reduzieren.
Ist das Kind nicht in unmittelbarer Gefahr, sollte es möglichst nicht unnötig bewegt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler ist es, ohne Warnweste oder ohne Absicherung direkt auf die Fahrbahn zu laufen. Dadurch geraten Helfende selbst in Lebensgefahr.
Ebenso wird das Warndreieck häufig zu nah hinter dem Unfallfahrzeug aufgestellt. Nachfolgende Fahrzeuge haben dann oft zu wenig Zeit zu reagieren.
Außerdem sollte niemals mitten auf der Fahrbahn stehen geblieben werden, um den Verkehr zu regeln. Diese Aufgabe übernimmt später die Polizei.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn:
- Personen verletzt wurden,
- Kinder beteiligt sind,
- Bewusstlosigkeit besteht,
- Atemnot oder starke Blutungen vorliegen,
- ein Fahrzeug erheblich beschädigt ist,
- ein Unfallhergang auf schwere Verletzungen schließen lässt.
Merke
- Eigenschutz hat immer Vorrang.
- Warnblinkanlage einschalten und Warnweste anziehen.
- Stelle das Warndreieck in ausreichender Entfernung auf.
- Wähle frühzeitig den Notruf 112.
- Erst danach kümmerst du dich um die verletzte Person.
- Bringe dich niemals selbst in Gefahr – nur ein sicherer Helfer kann wirksam helfen.