Allergie

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Allergie

Allergie und allergischer Schock (Anaphylaxie) bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Erste Hilfe bei einer schweren allergischen Reaktion

Viele Kinder und Jugendliche leiden unter Allergien. Häufig verursachen sie nur lästige Beschwerden wie Juckreiz, tränende Augen oder Hautausschläge. In seltenen Fällen kann sich jedoch innerhalb weniger Minuten eine Anaphylaxie, auch allergischer Schock genannt, entwickeln. Dabei handelt es sich um die schwerste Form einer allergischen Reaktion und um einen akuten medizinischen Notfall.

Je früher eine Anaphylaxie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb ist es wichtig, die Warnzeichen zu kennen und sofort richtig zu handeln.

 

Was passiert im Körper?

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe, sogenannte Allergene. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Lebensmittel, Medikamente, Insektengifte oder Latex.

Kommt es zu einer Anaphylaxie, werden innerhalb kurzer Zeit große Mengen entzündungsfördernder Botenstoffe – insbesondere Histamin – freigesetzt. Dadurch erweitern sich die Blutgefäße, Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen in das Gewebe aus und der Blutdruck kann stark abfallen. Gleichzeitig schwellen die Schleimhäute an und die Atemwege können sich verengen. Auch Haut, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System können betroffen sein.

Unbehandelt kann eine Anaphylaxie innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.

 

Häufige Auslöser

Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Lebensmittel (z. B. Erdnüsse, Nüsse, Milch, Ei, Fisch oder Meeresfrüchte)
  • Insektenstiche (Bienen oder Wespen)
  • Medikamente (z. B. Antibiotika oder Schmerzmittel)
  • Latex
  • selten körperliche Belastung oder andere individuelle Auslöser

 

So erkennst du eine allergische Reaktion

Leichte allergische Reaktionen zeigen sich häufig durch:

  • Hautrötung
  • Juckreiz
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Schwellungen der Lippen oder Augenlider
  • tränende Augen
  • Niesen oder laufende Nase

 

Warnzeichen einer Anaphylaxie sind:

  • Schwellung von Zunge oder Rachen
  • Heiserkeit
  • Engegefühl im Hals
  • bellender Husten oder Schluckbeschwerden
  • pfeifende oder erschwerte Atmung
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Blässe
  • kalter Schweiß
  • Herzrasen
  • Benommenheit
  • Bewusstlosigkeit

 

Auch starke Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall können – insbesondere nach Kontakt mit einem bekannten Allergen – frühe Anzeichen einer Anaphylaxie sein.

 

Erste Hilfe – Schritt für Schritt

Bleibe ruhig und entferne – wenn möglich – den Auslöser. Entferne beispielsweise vorsichtig den Stachel einer Biene oder beende die Nahrungsaufnahme.

Wähle sofort den Notruf 112, sobald Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion auftreten.

Hat dein Kind einen Adrenalin-Autoinjektor verordnet bekommen, wende ihn sofort an. Das Medikament wird durch die Kleidung hindurch in die Außenseite des Oberschenkels gespritzt. Halte dich dabei an die Bedienungsanleitung des jeweiligen Präparats.

Falls zusätzlich ärztlich verordnete Medikamente wie ein Antihistaminikum oder ein Kortisonpräparat vorhanden sind, können diese nach dem Adrenalin gegeben werden. Adrenalin hat jedoch immer Vorrang, da nur es die lebensbedrohlichen Kreislauf- und Atemwegsprobleme rasch behandelt.

Lass dein Kind nicht allein und beobachte die Atmung kontinuierlich.

Die richtige Körperposition richtet sich nach den Beschwerden:

  • Bei Atemnot: möglichst aufrecht sitzen lassen.
  • Bei Schwindel oder niedrigem Blutdruck: flach lagern und – wenn möglich – die Beine hochlagern.
  • Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung: stabile Seitenlage.
  • Bei fehlender oder nicht normaler Atmung: sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

 

Verbessern sich die Beschwerden nach 5 bis 15 Minuten nicht oder verschlechtern sie sich erneut und ist ein zweiter Autoinjektor vorhanden, kann dieser entsprechend dem ärztlichen Notfallplan angewendet werden.

 

Häufige Fehler

Ein häufiger Fehler ist es, zunächst nur ein Antihistaminikum zu geben und mit dem Adrenalin zu warten. Bei einer Anaphylaxie kann dies wertvolle Zeit kosten.

Ebenso sollte ein Kind mit einer schweren allergischen Reaktion nicht allein gelassen werden, auch wenn sich die Beschwerden zunächst bessern. Es kann zu einer erneuten Verschlechterung kommen.

Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen sollte das Kind nicht selbst zur Arztpraxis oder ins Krankenhaus gefahren werden. Der Rettungsdienst kann bereits unterwegs lebensrettende Maßnahmen einleiten.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Bei jedem Verdacht auf eine Anaphylaxie gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

Das gilt insbesondere bei:

  • Atemnot,
  • Schwellung von Zunge oder Rachen,
  • Heiserkeit oder Schluckbeschwerden,
  • Schwindel oder Kreislaufproblemen,
  • Bewusstlosigkeit,
  • Anwendung eines Adrenalin-Autoinjektors.

 

Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?

Nach jeder Anaphylaxie sollte dein Kind im Krankenhaus überwacht werden – auch wenn die Beschwerden nach der Behandlung vollständig verschwunden sind. In manchen Fällen kann es Stunden später erneut zu einer allergischen Reaktion kommen (biphasische Anaphylaxie).

Auch nach leichteren allergischen Reaktionen sollte eine kinderärztliche oder allergologische Abklärung erfolgen, wenn der Auslöser unklar ist oder die Beschwerden wiederholt auftreten.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Im Krankenhaus werden Atmung, Kreislauf und Sauerstoffversorgung kontinuierlich überwacht. Je nach Schweregrad erhält dein Kind Sauerstoff, Infusionen oder weitere Medikamente wie inhalative Bronchien erweiternde Medikamente, Antihistaminika oder Kortison. Bei Bedarf wird zusätzlich Adrenalin verabreicht.

Vor der Entlassung erhalten viele Kinder mit hohem Risiko einen individuellen Anaphylaxie-Notfallplan sowie – falls erforderlich – einen Adrenalin-Autoinjektor. Eltern und Kinder werden ausführlich in dessen Anwendung geschult und über das konsequente Meiden bekannter Auslöser informiert.

 

Merke

  • Eine Anaphylaxie ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
  • Atemnot, Schwellungen im Mund-Rachen-Raum oder Kreislaufprobleme sind Warnzeichen.
  • Adrenalin ist das wichtigste Medikament und sollte früh angewendet werden.
  • Antihistaminika und Kortison ersetzen Adrenalin nicht.
  • Nach jeder schweren allergischen Reaktion muss dein Kind ärztlich überwacht werden.
  • Bei Verdacht auf eine Anaphylaxie sofort den Notruf 112 wählen.

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