Amputation bei Schulkindern und Jugendlichen
Erste Hilfe bei einer abgetrennten Finger-, Hand-, Fuß- oder Gliedmaßenverletzung
Eine Amputation gehört zu den schwersten Verletzungen überhaupt. Sie entsteht glücklicherweise nur selten, beispielsweise bei Unfällen mit Fahrrädern, Maschinen, schweren Quetschverletzungen oder Verkehrsunfällen. Der Anblick einer abgetrennten Fingerkuppe, eines Fingers oder einer Hand ist für Eltern oft schockierend. Dennoch gilt: Mit den richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen kannst du entscheidend dazu beitragen, starke Blutungen zu kontrollieren und die Chancen zu erhöhen, dass das abgetrennte Körperteil unter Umständen wieder angenäht werden kann.
Die oberste Priorität hat dabei immer das verletzte Kind – nicht das abgetrennte Körperteil.
Was passiert bei einer Amputation?
Bei einer Amputation werden Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven, Blutgefäße und häufig auch Knochen ganz oder teilweise durchtrennt. Dadurch kann es innerhalb kurzer Zeit zu einem erheblichen Blutverlust kommen. Gleichzeitig wird die Blutversorgung des abgetrennten Körperteils unterbrochen.
Je länger ein Körperteil ohne ausreichende Kühlung und Blutversorgung bleibt, desto geringer werden die Chancen auf eine erfolgreiche Wiederannähung (Replantation). Ob eine Replantation möglich ist, hängt unter anderem von der Art der Verletzung, dem betroffenen Körperteil und der Zeit bis zur Behandlung ab.
Besonders bei Fingern und Daumen sind die Erfolgsaussichten häufig gut, wenn schnell gehandelt wird.
Häufige Ursachen
Amputationsverletzungen entstehen unter anderem durch:
- Fahrrad- oder Kettenunfälle
- Unfälle mit Rasenmähern oder Holzhäckslern
- Kreissägen oder andere Maschinen
- schwere Quetschverletzungen
- Verkehrsunfälle
- eingeklemmte Finger in Türen oder Toren (vor allem Fingerkuppen)
So erkennst du eine Amputation
Je nach Unfall kann es sich um eine vollständige oder teilweise Amputation handeln.
Typische Anzeichen sind:
- vollständig oder teilweise abgetrennte Finger, Zehen oder Gliedmaßen
- starke Blutungen
- sichtbare Knochen, Sehnen oder Muskeln
- starke Schmerzen
- Schockreaktionen mit Blässe, Zittern oder Benommenheit
Auch kleine Fingerkuppenverletzungen sollten ärztlich untersucht werden.
Erste Hilfe – Schritt für Schritt
Bleibe ruhig und rufe sofort Hilfe.
Still zunächst die Blutung. Übe mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch direkten Druck auf die Wunde aus. Reicht dies nicht aus, lege einen Druckverband an.
Lagere die verletzte Extremität möglichst ruhig.
Anschließend kümmere dich um das abgetrennte Körperteil:
- Berühre es möglichst wenig.
- Entferne grobe Verschmutzungen nicht durch Reiben oder Reinigen.
- Wickle das Körperteil locker in eine sterile, leicht angefeuchtete Kompresse. Ist keine sterile Kompresse vorhanden, verwende notfalls ein möglichst sauberes Tuch.
- Lege das eingewickelte Körperteil in einen sauberen, wasserdichten Plastikbeutel und verschließe diesen.
- Lege diesen Beutel anschließend in einen zweiten Beutel oder ein Gefäß mit kaltem Wasser und Eiswürfeln.
Wichtig: Das Körperteil darf nicht direkt mit Eis oder Kühlakkus in Berührung kommen und darf nicht im Wasser liegen, da dies das Gewebe schädigen kann.
Gib den Beutel später dem Rettungsdienst oder im Krankenhaus.
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler besteht darin, sich zuerst um das abgetrennte Körperteil zu kümmern und die Blutung zu vernachlässigen. Die Versorgung des verletzten Kindes hat immer Vorrang.
Ebenso ungünstig ist es, das Körperteil direkt auf Eis zu legen oder in Wasser aufzubewahren. Beides kann das Gewebe irreversibel schädigen und die Chancen auf eine erfolgreiche Replantation verschlechtern.
Versuche niemals, das Körperteil selbst wieder anzunähen oder anzusetzen.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Bei jeder vollständigen oder größeren teilweisen Amputation gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.
Der Rettungsdienst sollte ebenfalls alarmiert werden, wenn:
- die Blutung stark ist oder sich nicht stillen lässt,
- mehrere Finger betroffen sind,
- eine Hand, ein Fuß oder eine Gliedmaße verletzt wurde,
- Anzeichen eines Schocks auftreten,
- weitere schwere Verletzungen vorliegen.
Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?
Jede Amputationsverletzung muss sofort in einer Klinik behandelt werden, auch wenn nur eine Fingerkuppe betroffen ist oder die Blutung gering erscheint.
Was passiert im Krankenhaus?
Nach der Blutstillung untersuchen die Ärztinnen und Ärzte die Verletzung und entscheiden gemeinsam mit spezialisierten Hand- oder Unfallchirurginnen und -chirurgen, ob eine Wiederannähung möglich ist.
Hierfür werden unter dem Operationsmikroskop feinste Arterien, Venen, Nerven und Sehnen miteinander verbunden. Ist eine Replantation nicht möglich, wird die Wunde chirurgisch versorgt und später gegebenenfalls rekonstruiert.
Nach der Operation folgen häufig Physiotherapie, Ergotherapie und regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um Funktion und Beweglichkeit bestmöglich wiederherzustellen.
Merke
- Das verletzte Kind hat immer Vorrang vor dem abgetrennten Körperteil.
- Starke Blutungen sofort durch direkten Druck oder einen Druckverband stillen.
- Das amputierte Körperteil steril verpacken, wasserdicht verschließen und indirekt kühlen.
- Nie direkt auf Eis legen oder in Wasser aufbewahren.
- Bei jeder Amputation sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.