Genitalverletzung

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Genitalverletzung

Genitalverletzungen bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Erste Hilfe bei Verletzungen im Genitalbereich

Stürze auf die Fahrradstange, Verletzungen beim Sport oder Unfälle auf Spielplätzen können zu Verletzungen im Genitalbereich führen. Solche Situationen sind Kindern und Jugendlichen oft sehr unangenehm. Aus Scham erzählen sie manchmal erst verspätet davon oder versuchen, die Beschwerden zu verbergen.

Die meisten Genitalverletzungen sind oberflächlich und heilen gut ab. Da der Genitalbereich jedoch sehr gut durchblutet ist, können auch kleine Verletzungen stark bluten. Wichtig ist deshalb, ruhig zu bleiben, die Verletzung vorsichtig zu versorgen und auf Warnzeichen schwererer Verletzungen zu achten.

 

Was passiert bei einer Genitalverletzung?

Die Haut und Schleimhäute im Genitalbereich sind besonders empfindlich und gut durchblutet. Schon kleine Verletzungen können deshalb schmerzhaft sein und deutlich bluten.

Je nach Unfallhergang können nur Haut und Schleimhaut betroffen sein oder auch tiefere Strukturen wie Harnröhre, Hoden oder innere Gewebe verletzt werden. Nach einem heftigen Aufprall kann sich außerdem ein größerer Bluterguss bilden.

 

Häufige Ursachen

Genitalverletzungen entstehen häufig durch:

  • Stürze auf die Querstange eines Fahrrads oder Rollers,
  • Spielplatzunfälle,
  • Sportunfälle,
  • Grätschverletzungen auf Geländern oder Spielgeräten,
  • Tritte oder Zusammenstöße beim Sport,
  • Verkehrsunfälle.

 

So erkennst du eine Genitalverletzung

Mögliche Beschwerden sind:

  • Schmerzen,
  • Schwellung,
  • Bluterguss,
  • Hautabschürfungen oder kleine Wunden,
  • Blutungen,
  • Schmerzen beim Wasserlassen.

 

Warnzeichen einer schwereren Verletzung sind:

  • starke oder anhaltende Blutungen,
  • Blut im Urin,
  • Unfähigkeit zu urinieren,
  • starke Schwellung,
  • offene oder tiefe Wunden,
  • starke Schmerzen an den Hoden,
  • Kreislaufprobleme oder Schockzeichen.

 

Erste Hilfe – Schritt für Schritt

    • Bewahre Ruhe und schaffe möglichst eine geschützte Umgebung, damit sich dein Kind nicht zusätzlich schämt.
    • Lasse dein Kind eine bequeme Position einnehmen.
    • Kleine Blutungen können durch sanften Druck mit einer sterilen Kompresse gestillt werden.
    • Kühle Schwellungen vorsichtig mit einem Kühlpack oder kalten Umschlägen. Lege dabei immer ein dünnes Tuch zwischen Haut und Kühlpack und kühle jeweils etwa 15 bis 20 Minuten.
    • Offene Wunden sollten locker steril abgedeckt werden.
    • Bestehen starke Schmerzen oder Schwellungen, sollte körperliche Belastung vermieden werden.

 

Besonderheiten bei Jungen

Starke Hodenschmerzen nach einem Unfall sollten immer ärztlich untersucht werden. Können die Schmerzen nicht eindeutig durch die Verletzung erklärt werden oder treten sie plötzlich ohne Unfall auf, muss immer an eine Hodentorsion gedacht werden. Sie stellt einen medizinischen Notfall dar und erfordert eine sofortige ärztliche Behandlung.

 

Besonderheiten bei Mädchen

Bei Mädchen können nach sogenannten Grätschverletzungen Schwellungen oder Blutergüsse der Schamlippen entstehen. Diese sehen oft dramatisch aus, heilen jedoch meist ohne bleibende Schäden ab.

Starke Blutungen, tiefe Verletzungen oder Verletzungen der Scheide müssen jedoch umgehend gynäkologisch oder kinderchirurgisch untersucht werden.

 

Häufige Fehler

  • Ein häufiger Fehler ist es, Genitalverletzungen aus Scham nicht ärztlich untersuchen zu lassen. Gerade Blutungen, größere Schwellungen oder Verletzungen beim Wasserlassen sollten immer abgeklärt werden.
  • Ebenso sollten Salben oder Desinfektionsmittel nicht tief in den Genitalbereich eingebracht werden, sofern dies nicht ausdrücklich ärztlich empfohlen wurde.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • starke Blutungen nicht gestoppt werden können,
  • der Verdacht auf eine schwere Verletzung nach einem Verkehrsunfall besteht,
  • das Kind Schockzeichen zeigt,
  • starke Hodenschmerzen zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen auftreten und ein schneller Transport nicht möglich ist,
  • Bewusstlosigkeit oder weitere schwere Verletzungen vorliegen.

 

Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei:

  • jeder tiefen oder klaffenden Verletzung,
  • starken Schmerzen,
  • zunehmender Schwellung,
  • Blut im Urin,
  • Problemen beim Wasserlassen,
  • Verletzungen der Hoden,
  • stärkeren Blutungen,
  • Verletzungen der Scheide oder Harnröhre.

 

Was passiert in der Arztpraxis oder im Krankenhaus?

Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Verletzung sorgfältig und achtet auf Blutungen, Schwellungen sowie mögliche Verletzungen der Harnwege oder der Geschlechtsorgane. Je nach Befund können eine Ultraschalluntersuchung oder weitere bildgebende Verfahren erforderlich sein. Kleinere Verletzungen werden meist konservativ behandelt, tiefere Wunden müssen gegebenenfalls genäht oder operativ versorgt werden.

Wichtig: Weicht die geschilderte Verletzung, das Ausmaß der Verletzung oder das Verhalten des Kindes von einem typischen Unfallhergang ab, prüfen Ärztinnen und Ärzte auch, ob Hinweise auf eine mögliche Misshandlung oder einen sexuellen Übergriff bestehen. Dies dient ausschließlich dem Schutz des Kindes.

 

Merke

  • Die meisten Genitalverletzungen heilen gut, sollten aber ernst genommen werden.
  • Kühle Schwellungen und stille kleinere Blutungen mit sanftem Druck.
  • Blut im Urin, Probleme beim Wasserlassen oder starke Schwellungen müssen ärztlich abgeklärt werden.
  • Plötzliche oder starke Hodenschmerzen sind immer ein Notfall.
  • Bei starken Blutungen, Schockzeichen oder schweren Verletzungen gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

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