Hyperventilation

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Hyperventilation

Hyperventilation bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Erste Hilfe bei schneller Atmung durch Stress, Angst oder starke Gefühle

Wenn ein Kind plötzlich sehr schnell atmet, über Kribbeln in Händen oder Lippen klagt und das Gefühl hat, keine Luft mehr zu bekommen, wirkt die Situation auf Eltern oft beängstigend. Tatsächlich steckt hinter einer Hyperventilation jedoch kein Sauerstoffmangel, sondern eine vorübergehende Störung des natürlichen Atemrhythmus – die Kinder atmen stressbedingt zu schnell. Die Beschwerden können sehr ausgeprägt sein, sind aber in den meisten Fällen ungefährlich und verschwinden wieder, sobald sich die Atmung normalisiert.

Trotzdem gilt: Nicht jede schnelle Atmung ist eine Hyperventilation. Asthma, allergische Reaktionen, Herz- oder Lungenerkrankungen sowie andere Notfälle können ähnliche Beschwerden verursachen und müssen ausgeschlossen werden.

 

Was passiert bei einer Hyperventilation?

Unser Körper reguliert die Atmung sehr genau. Beim Einatmen nehmen wir Sauerstoff auf, beim Ausatmen geben wir Kohlendioxid (CO₂) ab. CO₂ ist nicht nur ein Abfallprodukt, sondern spielt eine wichtige Rolle für den Säure-Basen-Haushalt und die Durchblutung des Gehirns.

Atmet ein Kind sehr schnell oder besonders tief, wird mehr CO₂ ausgeatmet, als der Körper produziert. Dadurch sinkt der CO₂-Gehalt im Blut. Die Folge ist eine sogenannte respiratorische Alkalose – der pH-Wert des Blutes steigt leicht an.

Der Sauerstoffgehalt im Blut bleibt dabei in der Regel normal. Trotzdem kann sich das Kind fühlen, als bekäme es keine Luft. Der niedrige CO₂-Wert führt dazu, dass sich Blutgefäße – insbesondere im Gehirn – vorübergehend verengen. Gleichzeitig verändert sich die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Dadurch entstehen typische Beschwerden wie Schwindel, Kribbeln oder Muskelkrämpfe.

Diese Symptome sind zwar unangenehm, bilden sich aber zurück, sobald sich die Atmung wieder beruhigt.

 

Häufige Ursachen

Bei Schulkindern und Jugendlichen tritt Hyperventilation häufig auf durch:

  • starke Angst oder Panik
  • emotionalen Stress
  • Aufregung, beispielsweise vor Prüfungen oder Wettkämpfen
  • heftiges Weinen
  • Schmerzen
  • psychische Belastungen

 

Seltener kann eine schnelle Atmung Ausdruck einer körperlichen Erkrankung sein, beispielsweise bei:

  • Asthma
  • schweren Infektionen
  • Fieber
  • allergischen Reaktionen (Anaphylaxie)
  • Stoffwechselerkrankungen wie einer diabetischen Ketoazidose
  • Herz- oder Lungenerkrankungen

 

Deshalb sollte insbesondere beim ersten Auftreten oder bei unklarer Ursache immer sorgfältig geprüft werden, ob tatsächlich eine Hyperventilation vorliegt.

 

So erkennst du eine Hyperventilation

Typische Beschwerden entwickeln sich oft innerhalb weniger Minuten.

Dazu gehören:

  • sehr schnelle Atmung
  • das Gefühl, nicht ausreichend Luft zu bekommen
  • Engegefühl in der Brust
  • Schwindel
  • Kribbeln an Lippen, Händen oder Füßen
  • Taubheitsgefühle
  • Zittern
  • Herzklopfen
  • Angst oder Panik
  • Verkrampfungen der Hände (“Pfötchenstellung”) oder Muskelkrämpfe

 

Die Kinder bleiben dabei meist ansprechbar und der Sauerstoffgehalt des Blutes ist häufig normal – sie sehen rosig aus. Bei echter Atemnot durch eine schwere Erkrankung würde sich die Haut bläulich färben.

 

Erste Hilfe – Schritt für Schritt

    • Bleibe selbst ruhig und vermittle deinem Kind Sicherheit. Hektik oder Angst übertragen sich schnell und können die Hyperventilation verstärken.
    • Bringe dein Kind möglichst an einen ruhigen Ort und lasse es bequem sitzen. Sprich langsam und beruhigend mit ihm.
    • Fordere dein Kind nicht auf, “tief Luft zu holen”. Hilfreicher ist es, die Atmung bewusst zu verlangsamen. Bitte dein Kind, langsam durch die Nase einzuatmen und anschließend noch langsamer durch den leicht geöffneten Mund oder durch gespitzte Lippen auszuatmen. Oft hilft es, gemeinsam den Atemrhythmus vorzumachen oder langsam mitzuzählen, beispielsweise vier Sekunden einatmen und sechs Sekunden ausatmen.
    • Manche Kinder profitieren davon, sich auf eine ruhige Stimme, einen festen Blickkontakt oder das Zählen der Atemzüge zu konzentrieren.
    • Beobachte dabei aufmerksam, ob sich die Beschwerden innerhalb weniger Minuten bessern.

 

Wichtig: Die früher häufig empfohlene Rückatmung in eine Papier- oder Plastiktüte wird heute nicht mehr empfohlen. Dahinter steckt die Gefahr, dass bei einer Fehleinschätzung – beispielsweise bei Asthma, einer allergischen Reaktion oder einer anderen ernsten Erkrankung – ein gefährlicher Sauerstoffmangel verstärkt werden könnte.

Das Kind kann sich aber die Hände schalenartig über Mund und Nase halten. Dabei erfolgt die Rückatmung von Kohlendioxid, gleichzeitig ist aber zwischen den Fingern ausreichend Platz für Sauerstoff.

 

Häufige Fehler

  • Ein häufiger Fehler besteht darin, vorschnell von einer harmlosen Hyperventilation auszugehen. Gerade wenn die Ursache unklar ist oder zum ersten Mal auftritt, muss immer auch an andere Erkrankungen gedacht werden.
  • Ebenso ungünstig ist es, das Kind zum schnellen oder tiefen Einatmen aufzufordern. Dadurch kann der CO₂-Wert weiter sinken und die Beschwerden verstärken.
  • Auch die Rückatmung in eine Tüte sollte nicht mehr durchgeführt werden.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn dein Kind:

  • bewusstlos wird,
  • nicht mehr normal atmet,
  • starke Brustschmerzen entwickelt,
  • blaue Lippen oder eine deutliche Blässe zeigt,
  • nach einem Unfall oder einer Vergiftung hyperventiliert,
  • Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion hat,
  • bekannte Asthma-Beschwerden mit Atemnot entwickelt,
  • die Beschwerden trotz Beruhigung nicht nachlassen oder sich verschlechtern.

 

Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll:

  • beim ersten Auftreten einer Hyperventilation,
  • wenn keine eindeutige Stress- oder Angstsituation vorliegt,
  • bei wiederholten Episoden,
  • bei Begleiterkrankungen wie Asthma oder Diabetes,
  • wenn Unsicherheit über die Ursache besteht.

 

Was passiert in der Arztpraxis oder im Krankenhaus?

Zunächst wird überprüft, ob tatsächlich eine Hyperventilation vorliegt oder ob eine andere Ursache für die Atemnot verantwortlich ist. Dazu werden Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und der allgemeine Zustand beurteilt. Je nach Situation können weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen, ein EKG oder eine Lungenfunktionsprüfung erforderlich sein.

Bestätigt sich eine stressbedingte Hyperventilation, reichen häufig Aufklärung, Atemtechniken und Beruhigung aus. Treten die Beschwerden wiederholt auf, kann eine weiterführende kinderärztliche oder psychologische Betreuung sinnvoll sein.

 

Merke

  • Hyperventilation führt meist nicht zu Sauerstoffmangel, sondern zu einem Abfall des Kohlendioxids (CO₂) im Blut.
  • Dadurch entstehen Schwindel, Kribbeln, Zittern oder Muskelkrämpfe.
  • Die wichtigste Erste Hilfe ist Ruhe, Sicherheit und eine langsame, kontrollierte Atmung.
  • Die Rückatmung in eine Tüte wird nach aktuellen Empfehlungen nicht mehr empfohlen.
  • Bei unklarer Ursache, schwerer Atemnot oder Warnzeichen gilt: Sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

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