Krampfanfall

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Krampfanfall

Krampfanfall bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Ein Krampfanfall gehört zu den Situationen, die Eltern besonders erschrecken. Plötzlich verliert das Kind das Bewusstsein, stürzt zu Boden, der Körper versteift sich und beginnt rhythmisch zu zucken. Oft wirkt die Atmung unregelmäßig und die Lippen können sich leicht bläulich verfärben. Obwohl ein solcher Anfall dramatisch aussieht, endet er in den meisten Fällen nach wenigen Minuten von selbst.

Das Wichtigste ist jetzt: Ruhe bewahren, Verletzungen verhindern und den Anfall nicht aufzuhalten versuchen. Mit den richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen kannst du dein Kind wirksam schützen, bis der Anfall beendet ist oder medizinische Hilfe eintrifft.

 

Was passiert bei einem Krampfanfall?

Unser Gehirn arbeitet mit elektrischen Signalen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Bei einem epileptischen Anfall kommt es vorübergehend zu einer überschießenden, unkontrollierten elektrischen Aktivität vieler Nervenzellen. Dadurch werden Bewegungen, Wahrnehmung oder das Bewusstsein gestört.

Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, können die Anfälle sehr unterschiedlich aussehen. Manche Kinder starren nur für wenige Sekunden ins Leere, andere zeigen unkontrollierte Zuckungen einzelner Körperteile. Der klassische generalisierte (den ganzen Körper betreffend) tonisch-klonische Anfall beginnt meist mit einer Versteifung des Körpers (tonische Phase), gefolgt von rhythmischen Muskelzuckungen (klonische Phase).

Nach dem Anfall benötigen Gehirn und Körper Zeit zur Erholung. Viele Kinder schlafen anschließend ein oder sind für einige Zeit verwirrt und erschöpft. Diese sogenannte Nachschlaf- oder Erholungsphase ist meist normal.

 

Häufige Ursachen

Ein Krampfanfall bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind an Epilepsie leidet.

Mögliche Ursachen sind:

  • Epilepsie (chronische Krankheit)
  • (hohes) Fieber (Fieberkrampf – vor allem bei jüngeren Kindern)
  • Kopfverletzungen
  • Unterzuckerung
  • schwere Infektionen des Gehirns oder der Hirnhäute
  • Vergiftungen
  • Stoffwechselstörungen
  • selten Sauerstoffmangel oder andere neurologische Erkrankungen

 

Bei Kindern mit bekannter Epilepsie können Schlafmangel, ausgelassene Medikamente oder flackerndes Licht individuelle Auslöser sein.

 

So erkennst du einen Krampfanfall

Ein generalisierter Krampfanfall zeigt sich häufig durch:

  • plötzlichen Bewusstseinsverlust
  • Sturz
  • Versteifung des Körpers
  • rhythmische Zuckungen von Armen und Beinen
  • verdrehte Augen
  • unregelmäßige oder kurz aussetzende Atmung
  • Speichelfluss oder Schaum vor dem Mund
  • manchmal Zungenbiss
  • gelegentlich unwillkürlichen Urinverlust

 

Nach dem Anfall sind viele Kinder zunächst schläfrig, verwirrt oder erinnern sich nicht an das Ereignis.

 

Erste Hilfe – Schritt für Schritt

    • Bleibe ruhig und merke dir möglichst die Uhrzeit. Die Dauer des Anfalls ist für die weitere Behandlung sehr wichtig.
    • Schütze dein Kind vor Verletzungen. Räume harte oder scharfe Gegenstände aus der Umgebung, lege – wenn möglich – etwas Weiches unter den Kopf und lockere enge Kleidung am Hals.
    • Halte dein Kind nicht fest und versuche nicht, die Zuckungen zu stoppen. Dadurch können Verletzungen entstehen.
    • Stecke nichts zwischen die Zähne. Früher wurde empfohlen, Gegenstände oder Finger in den Mund zu legen, um einen Zungenbiss zu verhindern. Dies wird heute ausdrücklich nicht mehr empfohlen, da dabei schwere Verletzungen der Zähne, des Kiefers oder der Helfenden entstehen können.
    • Sobald die Zuckungen beendet sind und dein Kind wieder normal atmet, bringe es in die stabile Seitenlage. So bleiben die Atemwege frei und Speichel oder Erbrochenes können abfließen.
    • Bleibe bei deinem Kind, bis es wieder vollständig orientiert ist oder der Rettungsdienst übernimmt.
    • Hat dein Kind wegen einer bekannten Epilepsie ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament (z. B. Midazolam oder Diazepam), verabreiche es genau nach dem individuellen Notfallplan.

 

Häufige Fehler

  • Ein häufiger Fehler ist es, die Arme oder Beine festzuhalten. Dadurch lässt sich der Anfall nicht beenden, das Verletzungsrisiko steigt jedoch deutlich.
  • Ebenso falsch ist es, dem Kind Wasser, Medikamente oder Nahrung einzuflößen oder etwas zwischen die Zähne zu schieben.
  • Viele Eltern erschrecken, wenn die Atmung während des Anfalls kurz unregelmäßig erscheint oder das Gesicht leicht bläulich wird. Während eines generalisierten Krampfanfalls kann dies vorübergehend auftreten. Entscheidend ist, nach dem Ende des Anfalls zu kontrollieren, ob das Kind wieder normal atmet.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • es der erste Krampfanfall deines Kindes ist,
  • der Anfall länger als 5 Minuten dauert,
  • mehrere Anfälle hintereinander auftreten, ohne dass dein Kind dazwischen wieder zu Bewusstsein kommt,
  • dein Kind nach dem Anfall nicht wieder normal atmet,
  • das Bewusstsein länger anhaltend eingeschränkt bleibt,
  • sich dein Kind beim Sturz verletzt hat,
  • der Anfall im Wasser aufgetreten ist,
  • eine Schwangerschaft besteht oder eine Vergiftung vermutet wird.

 

Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?

Eine ärztliche Untersuchung ist grundsätzlich nach jedem erstmaligen Krampfanfall erforderlich.

Auch Kinder mit bekannter Epilepsie sollten ärztlich vorgestellt werden, wenn:

  • sich die Anfälle verändern,
  • sie häufiger auftreten,
  • das Notfallmedikament eingesetzt werden musste,
  • Unsicherheit über die Ursache besteht.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Zunächst werden Atmung, Kreislauf und Bewusstsein überprüft. Anschließend suchen die Ärztinnen und Ärzte nach der Ursache des Krampfanfalls. Je nach Situation können Blutuntersuchungen, ein EEG zur Messung der Hirnströme sowie bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig sein.

Bei Kindern mit bekannter Epilepsie wird überprüft, ob die bisherige Behandlung angepasst werden muss. Ziel ist es, weitere Anfälle möglichst zu verhindern und gleichzeitig eine normale Entwicklung und Teilhabe am Alltag zu ermöglichen.

 

Merke

  • Die meisten Krampfanfälle enden innerhalb weniger Minuten von selbst.
  • Schütze dein Kind vor Verletzungen, halte es aber nicht fest.
  • Stecke niemals Gegenstände oder Finger in den Mund.
  • Nach dem Anfall: Atmung kontrollieren und bei normaler Atmung die stabile Seitenlage anwenden.
  • Dauert der Anfall länger als 5 Minuten, tritt er erstmals auf oder folgen mehrere Anfälle hintereinander, wähle sofort den Notruf 112.

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