Rauchgas / Reizgase

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Rauchgas / Reizgase

Rauchgas-, Reizgas- und E-Zigaretten-Exposition bei Schulkindern und Jugendlichen

 

Erste Hilfe nach dem Einatmen von Rauch, Reizgas oder Dampf aus E-Zigaretten

Ob Rauch bei einem Brand, Pfefferspray auf dem Schulhof oder der Dampf einer E-Zigarette – das Einatmen reizender Stoffe kann die Atemwege und die Lunge schädigen. Die Beschwerden reichen von leichtem Husten bis hin zu schwerer Atemnot. Besonders Kinder und Jugendliche reagieren empfindlich, da ihre Atemwege enger sind als die von Erwachsenen.

Auch wenn sich ein Kind nach kurzer Zeit wieder besser fühlt, sollten Beschwerden nach einer Rauchgas- oder Reizgasexposition ernst genommen werden. Manche Folgen entwickeln sich erst Stunden später.

 

Was passiert im Körper?

Beim Einatmen gelangen Rauch, Gase oder feine Partikel in die Atemwege. Sie reizen die Schleimhäute und können Schwellungen, Entzündungen und Verkrampfungen der Bronchien auslösen. Dadurch fällt das Atmen schwerer.

Bei einem Brand besteht zusätzlich die Gefahr, giftige Gase wie Kohlenmonoxid (CO) oder – bei bestimmten Materialien – Blausäure (Cyanwasserstoff) einzuatmen. Diese Stoffe können die Sauerstoffversorgung des Körpers lebensbedrohlich beeinträchtigen, auch wenn äußerlich kaum etwas zu erkennen ist.

Pfefferspray oder andere Reizgase verursachen meist eine starke Reizung von Augen, Nase, Rachen und Atemwegen. Bei Menschen mit Asthma können sie einen schweren Asthmaanfall auslösen.

Der Dampf von E-Zigaretten enthält zwar keine Verbrennungsprodukte wie Tabakrauch, kann aber Nikotin, Feinstaub und weitere reizende Stoffe enthalten. Das versehentliche Einatmen führt meist nur zu leichten Beschwerden. Deutliche Atemprobleme oder Vergiftungserscheinungen sind jedoch immer ärztlich abzuklären.

 

Häufige Ursachen

Mögliche Auslöser sind:

  • Brände in Wohnungen oder Gebäuden,
  • Lagerfeuer oder Grillrauch in geschlossenen Räumen,
  • Pfefferspray oder Tierabwehrspray,
  • Tränengas oder andere Reizstoffe,
  • Dampf aus E-Zigaretten oder Vapes,
  • Chemikalien oder Rauchentwicklung bei Experimenten.

 

So erkennst du eine Rauchgas- oder Reizgasvergiftung

Mögliche Beschwerden sind:

  • Husten,
  • Heiserkeit,
  • Halsschmerzen,
  • Brennen in Mund oder Nase,
  • tränende oder schmerzende Augen,
  • Atemnot,
  • pfeifende Atmung,
  • Engegefühl in der Brust,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit.

 

Warnzeichen einer schweren Vergiftung sind:

  • zunehmende Atemnot,
  • Verwirrtheit,
  • Benommenheit,
  • Bewusstlosigkeit,
  • bläuliche Lippen oder Haut,
  • Krampfanfälle.

 

Nach einem Brand können außerdem Rußspuren im Mund oder an der Nase, versengte Nasenhaare oder Brandverletzungen im Gesicht auf eine Verletzung der Atemwege hinweisen.

 

Erste Hilfe – Schritt für Schritt

  1. Bringe dein Kind sofort aus dem Gefahrenbereich, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen.
  2. Sorge für frische Luft und lockere einengende Kleidung.
  3. Beruhige dein Kind und lasse es eine Position einnehmen, in der das Atmen am leichtesten fällt – meist sitzend oder mit leicht erhöhtem Oberkörper.
  4. Bei Kontakt mit Pfefferspray oder Reizgas sollten die Augen mehrere Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser gespült werden. Kontaktlinsen sollten entfernt werden, sofern dies problemlos möglich ist.
  5. Beobachte Atmung und Bewusstsein sorgfältig.

 

Wird dein Kind bewusstlos, kontrolliere sofort die Atmung.

  • Atmet es normal, bringe es in die stabile Seitenlage.
  • Atmet es nicht oder nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung nach den aktuellen ERC-Leitlinien.

 

Besonderheit: E-Zigaretten und Nikotin

Das Einatmen von E-Zigaretten-Dampf verursacht meist nur vorübergehende Reizungen. Deutlich gefährlicher ist jedoch das Verschlucken von nikotinhaltigen Liquids, insbesondere bei jüngeren Kindern. Schon kleine Mengen können zu einer schweren Nikotinvergiftung führen.

Typische Anzeichen sind:

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Speichelfluss,
  • Blässe,
  • Schwitzen,
  • Herzrasen oder langsamer Puls,
  • Zittern,
  • Krampfanfälle,
  • Bewusstseinsstörungen.

 

Besteht der Verdacht, dass ein Kind Nikotin-Liquid verschluckt hat, sollte umgehend das Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Treten Atemprobleme, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

 

Häufige Fehler

  • Ein häufiger Fehler ist es, nach einem Brand nur sichtbare Verbrennungen zu beachten. Rauchgase können die Atemwege schwer schädigen, auch wenn äußerlich keine Verletzungen erkennbar sind.
  • Ebenso sollten Kinder nach dem Einatmen von Rauch oder Reizgas nicht zu körperlicher Anstrengung aufgefordert werden. Ruhe erleichtert die Atmung.
  • Milch, Hausmittel oder Augentropfen sollten nach Pfefferspray nicht ohne ärztliche Empfehlung angewendet werden. Zum Spülen der Augen genügt sauberes Wasser.

 

Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?

Wähle sofort den Notruf 112, wenn:

  • Atemnot besteht,
  • Husten oder Heiserkeit nach einem Brand auftreten,
  • Ruß im Mund oder an der Nase sichtbar ist,
  • Brandverletzungen im Gesicht vorliegen,
  • das Kind bewusstlos, verwirrt oder benommen ist,
  • Krampfanfälle auftreten,
  • eine Kohlenmonoxidvergiftung vermutet wird,
  • sich die Beschwerden verschlechtern.

 

Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll bei:

  • anhaltendem Husten oder Heiserkeit,
  • Augenreizungen, die nicht rasch nachlassen,
  • Brustschmerzen,
  • pfeifender Atmung,
  • Beschwerden nach dem Einatmen größerer Mengen Rauch oder Reizgas,
  • Verdacht auf das Verschlucken von Nikotin-Liquid.

 

Was passiert im Krankenhaus?

Je nach Beschwerden werden Atmung, Sauerstoffversorgung und Kreislauf überwacht. Bei Rauchgasvergiftungen erhält das Kind häufig hochdosierten Sauerstoff. Bei Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung wird der CO-Gehalt im Blut bestimmt. Je nach Ursache können weitere Untersuchungen, Inhalationen oder eine stationäre Überwachung notwendig sein.

 

Merke

  • Bringe dein Kind zuerst aus dem Gefahrenbereich und sorge für frische Luft.
  • Atemnot nach Rauch, Reizgas oder einem Brand ist immer ein Notfall.
  • Nach einem Brand können sich Atemwegsverletzungen auch verzögert entwickeln.
  • Spüle Augen nach Pfefferspray mehrere Minuten mit sauberem Wasser.
  • Das Verschlucken von nikotinhaltigen Liquids ist deutlich gefährlicher als das Einatmen von E-Zigaretten-Dampf.
  • Bei Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung gilt: Sofort den Notruf 112 wählen.

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