Schwäche, Schwindel und Unterzuckerung bei Schulkindern und Jugendlichen
Erste Hilfe, wenn dein Kind plötzlich schwach wird oder Schwindel verspürt
Plötzlich wird deinem Kind schwindelig, es wirkt blass, zittert oder klagt über Schwäche. Solche Beschwerden sind häufig und haben meist harmlose Ursachen wie Flüssigkeitsmangel, langes Stehen oder eine beginnende Infektion. Manchmal können sie jedoch auch auf eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder eine andere ernsthafte Erkrankung hinweisen.
Besonders Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung. Aber auch Kinder ohne Diabetes können unter bestimmten Umständen einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel entwickeln. Deshalb ist es wichtig, Warnzeichen zu erkennen und richtig zu handeln.
Was passiert im Körper?
Das Gehirn ist auf eine kontinuierliche Versorgung mit Glukose (Traubenzucker) angewiesen. Sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark ab, erhält das Gehirn nicht mehr ausreichend Energie. Der Körper reagiert zunächst mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin. Dadurch entstehen typische Warnzeichen wie Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen.
Fällt der Blutzucker weiter ab, wird die Funktion des Gehirns zunehmend beeinträchtigt. Es kommt zu Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Sprachstörungen und schließlich zu Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit.
Schwindel und Schwäche können jedoch auch andere Ursachen haben, beispielsweise:
- Flüssigkeitsmangel
- niedrigen Blutdruck
- Infekte mit Fieber
- Kreislaufreaktionen nach langem Stehen
- Herzrhythmusstörungen
- Blutarmut
- neurologische Erkrankungen
Nicht jeder Schwindel ist also eine Unterzuckerung.
Häufige Ursachen einer Unterzuckerung
Eine Unterzuckerung kann entstehen durch:
- zu viel Insulin
- Einnahme bestimmter Diabetesmedikamente
- ausgelassene Mahlzeiten
- intensive körperliche Belastung
- Erbrechen oder Durchfall
- Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Auch Kinder ohne Diabetes können nach längerer Nahrungskarenz oder bei schweren Erkrankungen unterzuckern, dies ist jedoch deutlich seltener.
So erkennst du eine Unterzuckerung
Frühe Warnzeichen sind:
- Zittern
- kalter Schweiß
- Blässe
- Heißhunger
- Herzklopfen
- Schwindel
- Schwäche
- Konzentrationsstörungen
- Reizbarkeit oder ungewöhnliches Verhalten
Bei einer schweren Unterzuckerung können auftreten:
- Verwirrtheit
- Sprachstörungen
- Koordinationsstörungen
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
Erste Hilfe – Schritt für Schritt
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- Bleibe ruhig und frage dein Kind nach seinen Beschwerden.
- Ist dein Kind ansprechbar und kann sicher schlucken, gib schnell wirksame Kohlenhydrate, beispielsweise:
- Traubenzucker
- Fruchtsaft
- normale (nicht zuckerfreie) Limonade
- Kinder mit Diabetes sollten – sofern möglich – ihren Blutzucker messen oder den Wert ihres Glukosesensors überprüfen. Die Behandlung einer vermuteten Unterzuckerung sollte jedoch nicht verzögert werden, wenn deutliche Symptome bestehen und keine Messung möglich ist.
- Nach etwa 10 bis 15 Minuten sollte der Blutzucker – wenn möglich – erneut kontrolliert werden. Bessern sich die Beschwerden, sollte anschließend eine langsam wirksame Kohlenhydratquelle wie Brot, Müsli oder ein belegtes Brötchen gegessen werden, sofern die nächste Mahlzeit nicht unmittelbar bevorsteht.
- Lass dein Kind sich hinsetzen oder hinlegen und beobachte es sorgfältig.
Ist dein Kind bewusstlos oder nicht mehr sicher schluckfähig, darfst du ihm nichts zu essen oder zu trinken geben. Kontrolliere sofort die Atmung.
- Atmet dein Kind normal, bringe es in die stabile Seitenlage.
- Atmet es nicht normal, beginne sofort mit der Wiederbelebung.
Kinder mit Diabetes erhalten bei einer schweren Unterzuckerung häufig ein ärztlich verordnetes Glukagon-Notfallmedikament (Nasenspray oder Fertigpen). Wende es genau nach dem individuellen Notfallplan an.
Häufige Fehler
- Ein häufiger Fehler ist es, einem bewusstlosen oder stark benommenen Kind Getränke oder Traubenzucker einzuflößen. Dabei besteht akute Erstickungsgefahr.
- Ebenso sollten zuckerfreie Getränke oder Light-Produkte nicht zur Behandlung einer Unterzuckerung verwendet werden, da sie den Blutzucker nicht anheben.
- Wird eine Unterzuckerung vermutet, sollte die Behandlung nicht unnötig verzögert werden, nur weil zunächst eine Blutzuckermessung erfolgen soll.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn dein Kind:
- bewusstlos wird,
- Krampfanfälle entwickelt,
- nicht mehr sicher schlucken kann,
- trotz Zuckerzufuhr nicht rasch besser wird,
- nicht normal atmet,
- der Blutzucker trotz wiederholter Behandlung niedrig bleibt oder
- du die Ursache der Beschwerden nicht sicher einschätzen kannst.
Wann sollte dein Kind ärztlich untersucht werden?
Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll:
- bei erstmaliger Unterzuckerung,
- bei wiederkehrenden Schwindel- oder Schwächeanfällen,
- wenn keine erkennbare Ursache vorliegt,
- nach jeder schweren Unterzuckerung,
- wenn zusätzlich Brustschmerzen, Herzrasen oder neurologische Ausfälle auftreten.
Was passiert im Krankenhaus?
Im Krankenhaus werden Blutzucker, Kreislauf und Bewusstsein kontrolliert. Besteht tatsächlich eine Unterzuckerung, erhält dein Kind – falls erforderlich – Glukose über eine Vene. Gleichzeitig wird nach der Ursache gesucht. Je nach Situation können Blutuntersuchungen, ein EKG oder weitere Untersuchungen notwendig sein.
Bei Kindern mit Diabetes wird überprüft, ob die Insulindosis oder die Behandlung angepasst werden muss, um zukünftige Unterzuckerungen zu vermeiden.
Merke
- Schwindel und Schwäche haben viele Ursachen – eine Unterzuckerung ist eine davon.
- Bei einer vermuteten Unterzuckerung und erhaltenem Bewusstsein gilt: schnell wirksamen Zucker geben.
- Anschließend sollten langsam wirksame Kohlenhydrate folgen, wenn die nächste Mahlzeit nicht unmittelbar bevorsteht.
- Bewusstlosen oder nicht sicher schluckfähigen Kindern niemals Getränke oder Nahrung einflößen.
- Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder fehlender Besserung trotz Behandlung gilt: Sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.