Alkohol- und Drogenvergiftung bei Schulkindern und Jugendlichen
Erste Hilfe bei einer Vergiftung durch Alkohol oder Drogen
Mit zunehmendem Alter kommen viele Jugendliche erstmals mit Alkohol, E-Zigaretten, Cannabis oder anderen Drogen in Kontakt. Während kleine Mengen Alkohol bei Erwachsenen meist keine schwerwiegenden Folgen haben, können sie bei Kindern und Jugendlichen schnell zu einer lebensbedrohlichen Vergiftung führen. Besonders gefährlich wird es, wenn verschiedene Substanzen miteinander kombiniert werden oder zusätzlich Medikamente eingenommen wurden.
Eine Alkohol- oder Drogenvergiftung ist immer ein medizinischer Notfall, wenn das Bewusstsein oder die Atmung beeinträchtigt sind. In solchen Situationen zählt jede Minute.
Was passiert im Körper?
Alkohol und Drogen wirken direkt auf das Gehirn und das zentrale Nervensystem. Sie beeinflussen das Bewusstsein, die Wahrnehmung, die Koordination und die Atmung.
Alkohol wirkt dämpfend auf das Gehirn. Mit steigender Alkoholmenge verschlechtern sich Reaktionsfähigkeit, Gleichgewicht und Urteilsvermögen. Bei einer schweren Alkoholvergiftung können Schutzreflexe verloren gehen, sodass Erbrochenes eingeatmet werden kann. Gleichzeitig wird das Atemzentrum im Gehirn gehemmt, wodurch die Atmung immer langsamer oder sogar ganz aussetzen kann.
Auch der Blutzuckerspiegel kann – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – stark absinken. Eine Unterzuckerung kann zusätzlich zu Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit führen.
Drogen wirken je nach Substanz sehr unterschiedlich:
- Cannabis kann Benommenheit, Angst, Panik, Schwindel oder Halluzinationen auslösen.
- Amphetamine, Ecstasy oder Kokain steigern Puls, Blutdruck und Körpertemperatur und können Herzrhythmusstörungen oder Krampfanfälle verursachen.
- Opioide wie Heroin oder Fentanyl verlangsamen Atmung und Bewusstsein und können bereits in kleinen Mengen lebensbedrohlich sein.
- Neue psychoaktive Substanzen (“Legal Highs”) haben oft unvorhersehbare Wirkungen.
Da häufig nicht bekannt ist, welche Substanz eingenommen wurde, sollte jede ungeklärte Vergiftung ernst genommen werden.
So erkennst du eine Vergiftung
Mögliche Anzeichen sind:
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Benommenheit
- verwaschene Sprache
- Gangunsicherheit
- Schwindel
- Übelkeit oder Erbrechen
- auffälliges Verhalten
- starke Unruhe oder Aggressivität
- Halluzinationen
- Krampfanfälle
Warnzeichen einer schweren Vergiftung sind:
- Bewusstlosigkeit
- fehlende Reaktion auf Ansprache
- langsame oder flache Atmung
- Atemaussetzer
- blaue Lippen oder Fingernägel
- sehr kleine oder sehr große Pupillen
- Krampfanfälle
- Kreislaufzusammenbruch
Erste Hilfe – Schritt für Schritt
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- Bleibe ruhig und verschaffe dir einen Überblick.
- Prüfe zunächst, ob dein Kind ansprechbar ist und normal atmet.
- Ist es wach, beruhige es und lasse es nicht allein. Sorge dafür, dass keine weiteren Alkohol- oder Drogenmengen konsumiert werden.
- Erbricht dein Kind, achte darauf, dass es sich nicht verschluckt. Drehe den Kopf oder besser den ganzen Körper auf die Seite.
Ist dein Kind bewusstlos, kontrolliere sofort die Atmung.
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- Atmet es normal, bringe es in die stabile Seitenlage und überwache die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
- Atmet es nicht normal oder gar nicht, beginne sofort mit der Wiederbelebung.
Bewahre – wenn möglich – Verpackungen, Getränkeflaschen oder Reste der eingenommenen Substanzen auf. Diese können dem Rettungsdienst wichtige Hinweise geben.
Häufige Fehler
- Ein häufiger Fehler ist es, ein stark alkoholisiertes Kind “ausschlafen” zu lassen. Eine Alkoholvergiftung kann sich unbemerkt verschlechtern und lebensbedrohlich werden.
- Ebenso sollten bewusstseinsgetrübten Kindern keine Getränke, Kaffee, Energydrinks oder Nahrung eingeflößt werden. Diese Maßnahmen machen Alkohol oder Drogen nicht schneller unschädlich und erhöhen das Risiko des Verschluckens.
- Versuche niemals, Erbrechen auszulösen. Dies kann zu schweren Komplikationen führen, insbesondere wenn das Bewusstsein bereits eingeschränkt ist.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Wähle sofort den Notruf 112, wenn dein Kind:
- bewusstlos ist,
- nicht normal atmet,
- nur schwer weckbar ist,
- Krampfanfälle entwickelt,
- wiederholt erbricht und zunehmend schläfrig wird,
- blaue Lippen oder Atemprobleme zeigt,
- unbekannte Drogen eingenommen hat,
- mehrere Substanzen kombiniert haben könnte,
- du den Zustand nicht sicher einschätzen kannst.
Wann sollte zusätzlich das Giftinformationszentrum kontaktiert werden?
Ist dein Kind wach, stabil und bestehen keine lebensbedrohlichen Symptome, kann das Giftinformationszentrum bei Fragen zur aufgenommenen Substanz oder zum weiteren Vorgehen beraten.
Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen oder Krampfanfällen gilt jedoch immer: Nicht zuerst beim Giftinformationszentrum anrufen, sondern sofort den Rettungsdienst alarmieren.
Was passiert im Krankenhaus?
Im Krankenhaus werden zunächst Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Blutzucker kontrolliert. Je nach Situation erhält dein Kind Sauerstoff, Infusionen oder spezielle Medikamente. Bei einer Opioidvergiftung kann beispielsweise Naloxon als Gegengift eingesetzt werden.
Zusätzlich wird nach weiteren Verletzungen oder Begleiterkrankungen gesucht und das Kind überwacht, bis die Wirkung der Substanzen sicher abgeklungen ist.
Merke
- Alkohol und Drogen können die Atmung und das Bewusstsein lebensbedrohlich beeinträchtigen.
- Lass ein stark alkoholisiertes oder berauschtes Kind niemals allein.
- Bewusstseinsgetrübten Kindern nichts zu trinken oder zu essen geben und kein Erbrechen auslösen.
- Bei Bewusstlosigkeit: Atmung kontrollieren, stabile Seitenlage oder Wiederbelebung durchführen.
- Bewusstlosigkeit, Atemprobleme oder Krampfanfälle sind ein Notfall – wähle sofort den Notruf 112.